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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
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360 wird. Speciell das Hemd aber zeigt eine ganz eigenartige reiche Stickerei. Der oberste Theil des Ärmels wird in drei oder vier Reihen übereinander mit einem fortlaufenden oder aufrecht stehenden Einzelornament ausgestattet und heißt altitä, plsc^vkv darunter zumeist in gelber Farbe, doch findet sich auch blau, grün oder schwarz, ein fast ausschließlich geometrisches Linienmuster, die wcretealä, au welches sich nach unten hin bis zum Ärmelrand ein vertical oder in mehreren schrägen Reihen untereinander gestelltes Streifenornament hinzieht. Desgleichen laufen über Brust und Rücken mehrere Reihen kleinerer oder größerer, zumeist rosettenartiger Einzelmuster. In manchen Gegenden des Flachlandes, sowie bei den Huzulen ist es Sitte, auch die Männerhemden theilweise mit derartigem Schmucke zu versehen. Welch eine Fülle der verschiedenartigsten und schönsten Motive sich in diesen Stickereien vorfindet, ist erstaunlich und gibt beredtes Zeugniß von dem natürlichen Kunstsinn dieses Volkes; zumeist durch Tradition von Mutter auf Tochter überliefert, vielfach aber auch der freien Phantasie entsprungen, tritt uns hier ein Reichthum von Formen, eine Harmonie der Farben entgegen, die uns an das Beste morgenländischer Knust erinnert, und ebenso wie dort, alles mit den primitivsten Mitteln, ohne Anleitung, ohne Vorbild ausgeführt. Das junge Mädchen, kaum flügge geworden, greift schon nach Nadel und Faden und macht, während Gänse und Schafe auf der Hutweide feiner Obsorge anvertraut sind, die ersten schüchternen Versuche in der heimischen Kunst. Jedes Dorf fast hat seine speciellen Muster, seine besonderen Eigenheiten und Kennzeichen, an denen festgehalten wird und an welchen allein schon fast mit Sicherheit zu bestimmen, aus welcher Gegend die Betreffende sei. Hochinteressant ist die Thatsache, daß die meisten ihrer Ornamente, sowohl die bei den Stickereien als Webereien verwendeten, mit Namen benannte Nachbildungen der sie umgebenden Gegenstände, sowohl des Thier- als Pflanzenreiches, wie auch der ihnen nächstliegenden Gerätschaften bilden, z. B. Peter- silie, Rose, Hühnchen, Krebs, Pferd, Rechen, Egge:c. zc. Die sowohl beim Sticken als Weben vorwiegend verwendeten Farben sind: schwarz, roth, citroneu- und orangegelb, blau und grün und werden, zwar nicht überall mehr, da eben auch hierzulande die mit Anilin gefärbten Wollen leider immer mehr Eingang finden, doch noch vielen Ortes und namentlich von den älteren Weibern, die an ihren alten Recepten festhalten, mit Zuhilfenahme von Pflanzen hergestellt. Zur Herstellung der gelben Farbe werden Blätter und Rinde des Holzapfels oder Ginster, zu jener der rothen Farbe Wasserdosten verwendet; Braun und Schwarz werden aus Rinde der Birke, Erle, Eiche, Zwetschke, Wallnußblättern ic. erzeugt. Auch schwarzer Holländer, Safran, Wolfs- milch, Butterblume, Kamille, Seidelbast und noch manche andere finden sich in ihren, durch mündliche Überlieferung erhaltenen Recepten.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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