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des gleichfalls im ganzen Lande verbreiteten Brauches des Färbens und Bemalens
der Ostereier gedacht werden, welche sowohl durch die Mannigfaltigkeit der Zeichnung
als insbesondere auch durch deren exacte Ausführung unsere volle Bewunderung
erregen.
Hauptsächlich im Süden und Südwesten, den gebirgigen und waldreichen Theilen
der Bukowina, finden wir die hausindustrielle Verarbeitung des Holzes vertreten. So wie
er Hütte und Stall mit eigener Hand erbaut, fertigt der in jenen Gegenden wohnende
Rumäne oder Huzule auch zumeist alle zu seiner Wirthschaft nöthigen Gegenstände und
Geräthschasten selbst an. Von einem mehr, vom anderen weniger, werden im Gebirge
Fässer, Kübel, Kannen, Tröge, Schüsseln und Teller, kleine Dosen für Brändza lind Butter,
Schnapssäßchen, Ofenkrücken, Schubkarren, Rechen und Heugabeln, Pfeifen und
Schalmeien, Spindeln, Stöcke und dergleichen mehr erzeugt, welche dann aus den Wochen-
märkten ihren Absatz finden. Auch hier macht sich ein gewisses Verlangen nach äußerem
Schmucke geltend und zeigen die meisten der genannten Gegenstände, allerdings in ziemlich
primitiver Anwendung der Brandtechnik, verschiedene lineare einfache Ornamente. Die
erwähnten Stöcke, tvpvras, wporee genannt, kleine Fäßchen und Dosen, Pnlverhörner
aus Holz oder Horn, Waffen und dergleichen weisen Verzierungen in Drahtgeflecht,
eingeschlagenen Metallösen, Gravirungen, Kerbschnitt und anderem auf. Auch die aus
Leder von ihnen angefertigten Gürtel, Umhängtaschen, Geldbeutel, Reitpeitschen u. a. sind
reichlich mit Metallplättchen, breiten Spangen, Knöpfen :c. versehen.
Theilweise noch hausindustriell, mitunter aber schon in das Gewerbsmäßige hinüber-
greifend, ist die in einigen Orten betriebene Erzeugung der verschiedenen landläufigen
Thonwaren, die Herstellung von Steinmetzarbeiten, speciell von Grabkreuzen in den stein-
reichen Gegenden des Duiestr und bei Suezawitza, sowie die Anfertigung der vom Land-
volke getragenen Pelze, Hüte, Stiefel und Schuhe in Radautz, Suczawa, Gurahumora,
Kimpolung und Wiznitz.
In den weidenreichen Niederungen des Czeremosz, Pruth und Sereth ist die
Korbflechterei vielfach zu finden; die Bewohner des nördlichen und nordwestlichen Theiles,
der Kornkammer des Landes, tragen selbstgemachte flache oder cylinderförmige Stroh-
hüte, erzeugen Strohmatten, Bienen- und Fruchtkörbe; das selbstgefertigte Fischnetz in
der Hand, sitzt stundenlang der Bauer am Flußufer, sich die Ingredienzien zu seinem
Leibgericht, dem zu erhaschen; kurz, überall, und je nachdem Mutter Natur ihn
dabei reicher oder minder reich unterstützt, sehen wir den Bnkowiner Bauer seine Hände
regen und die verschiedenen Gaben derselben verwenden, zur Fristung seines Lebens,
zur Ausschmückung seines Heims, zur Begründung, Förderung und Erhaltung seines
Wohlstandes.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch