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Die Epigonen dieser Musikanten haben mehr Sinn für invderne Gassenhauer, als für
die schönen schwermüthigen Nativnalweisen. In neuerer Zeit haben Jndenmusikbanden
(zu Sereth, Sadagöra, WiMtz n. a.) die Leistungen der brannen Musikanten in den
Schatten gestellt. Die Holzharmonika, nur bei jüdischen Musikbanden in Anwendung,
ist ein Holzschlaginstrument mit chromatisch gestimmten, lose verbundenen Fichten-
hölzchen, ruht aus einem Tischchen auf Strohhalmen und wird mit zwei Holzhämmerchen
geschlagen.
Die bedeutendsten heimatlichen Componisten rumänischer Lieder, Salon-
compositionen uud der Tanzmusik sind außer den an anderer Stelle bereits erwähnten noch:
Aleko von Petrins, Professor Stefan Nosiewitz, Tudor Ritter von Flondor, Constantin
Ritter von Buchenthal, Adalbert Hrimaly u. a. Die Vereine: Armanis, ^eaäemia
ortockoxu und Lumina machen sich um die Pflege des älteren rnmänischen Volksliedes
und der neueren Vocaleompositionen für Solo und Chor verdient. Die Volksschule bildet
in neuerer Zeit ein bescheidenes, trauliches Heim für das bukowiner Volkslied.
Musik der Ruthenen. — Poesie uud Musik liegen dem Ruthenen im Blut; für
alle Phasen des Lebens, für Freud und Leid besitzt er seine eigenen Lieder. Der Rhythmus
derselben isttheils ein getragener, theils wieder ein rascher,voll sorgenloserLebensfrendigkeit.
Die Melodien find einfach und lassen sich leicht harmonisch begleiten.
Den vornehmsten Platz unter den Volksliedern der Ruthenen nimmt die ckuma
und ckumka ein. Die ckuma ist ein episches Männerlied, dessen Wendung und Diction
lebhaft an die schottische Volksballade erinnert. Der melodische Ausdruck derselben ist ein
klagendes Echo erlittener Schmach, ein schmerzlicher Wiederhall erduldeten Elends und
Erniedrigung, ein wimmerndes Ächzen, ein Todesseufzer. Hieher gehören alle Liebes-,
wie auch Witwen- und Waisenklagen. Die nächste größere Abtheilung der ruthenifchen
Volkslieder bilden die Tanzlieder der Huzulen, der Tiroler des österreichischen Ostens,
und die Scherzgesänge. Der eigentliche Huzulentanz ist die Die stürmische
Tanzweise bewegt sich im Zweiviertel-Takt, die musikalische Periode besteht gewöhnlich
aus acht bis sechzehn Takten uud ist in melodischer Hinsicht recht eigenartig. Über die
koloin^ka, auch Huculka genannt, schreibt Haquet in seinen Reiseberichten durch die
nördlichen Karpathen (Nürnberg 1794). „Das Allermerkwürdigste bei diesem Tanz ist,
daß der Tänzer beinahe auf der Erde hockt und wie ein Frosch mit der Tänzerin herum-
hupft, daß er auch alsdaun seine Axt (toporee), die er am Ende des Stils hält, klafterhoch
in die Höhe wirft und sie doch wieder fängt." Im innigen Zusammenhange mit diesem
Tanze steht das Lied, welches gewöhnlich aus vier bis acht Zeilen besteht. Lieder solcher
Art zählt man nach Tausenden. Die s?umka ist ein fröhliches Lied Humoristisch-sathrischen
Inhaltes. Hier je ein Beispiel einer ckumka und
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch