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Flachländers am Pruth und Dniestr ist nicht so temperamentvoll als jener des Karpathen-
bewohners, es fehlt demselben die leichte Beweglichkeit, der nöthige Schwung, die
übersprudelnde, sorgenvergessende Lebenslust. Außer diesen Liedern und Tänzen besitzt
der Rnthene Bukowiuas seine Feiertagsgesänge: die koljaä^ (Weihnachtslieder), die
s?e?ec1i'ivvk)' (Jordanslieder), pisni na malanku (Lieder für den Abend vor dem neuen
Jahr), (Ostern-, Frühlingslieder), rusalk^ (Psingstlieder). Ferner gibt es noch
Wiegen-, Tauf-, Freier-, Hochzeitsgesänge, Todtenklage-, Ernte-, Spinnabend- nnd
Spiellieder.
Die Spielleute des ruthenischeu Volksstamiues gebrauchen dieselben musikalischen
Instrumente wie jene der Rumänen, die und das nair ausgenommen. Im Volke
ist die clremd», die Maultrommel, sehr verbreitet, auch versteht der Bauernbursche Melodien,
auch Liedchen momentaner Inspiration auf einem Weiden- oder Weichselblatte wie auf
der Clariuette zu spielen, indem er dasselbe zwischen die Lippen steckt nnd durch Blasen
in Vibration versetzt. Die I^rvva, das Instrument der blinden Bettler, der sogenannten
Iz^vak's hat im länglichen Schallkörper zwei Saiten, welche durch ein eingeharztes,
mit einer Kurbel gedrehtes Rädchen gestrichen werden. Die dickere Saite behält immer
ihre Grundstimmung, die zweite dünnere hingegen erzeugt mittelst einer primitiven Tastatur
die nothwendigen grellen Melodietöne. Die Lieder dieser blinden Volksbarden sind zumeist
recitative Deelamationen, deren Text der Sage, der Tradition, der Legende und dem
Heidenthnme angehört. An Kreuzwegen, an Wallfahrtsorten, anf Jahrmärkten und an
Kirchmeihfesten hört man diesen eintönigen Klagegesang.
Die Ausübung der Tanzmusik besorgte» bisher ausschließlich die Zigeuner; seit
einiger Zeit tauchen auch Musikanten aus dem Volke auf. Der Dudelsack und das
Tambourin kommeu auch hier vereinzelt vor.
Gesellschafts-, Trink- und Erntelieder, sowie anch andere Gesänge singt das
rutheuische Volk oft mehrstimmig, und man muß staunen, wie es instinctiv die richtige
Harmonie herausfindet. Ein solches Volkschorlied, welches im ganzen Lande (auch in
Galizien) gesnngen wird, sei zum Schluße in vollem Umfange mitgetheilt.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch