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die orthodox-orientalischen Einwohner so sehr von dem Besuche der Schule ab, daß die
32 im Jahre 1792 bestandenen Schulen des Landes bis zum Jahre 1804 sich auf
14 redueirteu. Bald entspann sich ein Kampf um die Emaneipirnng der griechisch-
orientalischen Schulen von der Lemberger Oberaufsicht und Leitung, der infolge des
Berichtes des Bukowiner Consistorinms vom 3. bis 7. September 1837 auf Grund
Allerhöchster Entschließung vom 18. Mai 1844 und durch die Guberuialverordnnng vom
7. Juli 1844, in dem Sinne beigelegt wurde, daß fernerhin alle nationalen Volksschulen
der Bukowina der Oberaufsicht des Lemberger römisch-katholischen Consistorinms entrückt
und dem griechisch-orientalischen Consistorinin in Czernowitz untergeordnet wurden. Zur
Ausführung gelangte die in jener Allerhöchsten Entschließung ausgesprochene Absicht
jedoch erst nach langwierigem Federkampfe auf Grund der Ministerialverordnnng vom
23. Febrnar 1850, wodurch dem griechisch-orientalischen Consistorinin in Czernowitz
die Aufficht und Leitung über die nationalen Volksschulen endgiltig anvertraut und eine
gründliche Reorganisation des Volksschulunterrichtes angeordnet wurde. Die factische
Übernahme der Leitung durch das griechisch-orientalische Consistorium geschah erst fünf
Jahre später. Zu dieser Zeit gab es im ganzen Lande nur 50 Schulen für alle Confefsionen
nnd Nationalitäten. Von da an entwickelte sich das Schulwesen für die griechisch-orientalische
Bevölkerung der Bukowina in erfreulicherer Weise; denn als auf Grund des Landes-
schulgesetzes vom 14. Mai 1869 die Volksschulaufsicht von dem griechisch-orientalischen
Consistorium im Jahre 1870 auf den neu errichteten Landesfchnlrath überging, übergab
dasselbe dieser neuen Schulbehörde 108 aetivirte und 104 im Entstehen begriffene
Volksschulen. Unter der Leitung des k. k. Landesschnlrathes stieg die Zahl der
Volksschulen in der Bukowina bis zum Jahre 1891 auf 299, in welchem Jahre 219
einclassige, 45 zwei-, 11 drei-, 16 vier-, 2 fünf- und 6 sechsclassige Volksschulen
bestanden. Unter diesen Volksschulen waren nur 96, in denen die rumänische Sprache allein,
und 54, in denen sie mit anderen landesüblichen Sprachen Unterrichtssprache war.
Einen günstigen Einfluß auf die Bildung der Bukowiner Rumänen in nationaler
Richtung übten die mit Allerhöchster Entschließung vom 20. December 1848 an der
damaligen philosophischen Lehranstalt zu Czernowitz errichtete und am 28. Februar 1849
von dem Siebenbürger Rumänen, Professor Aron Pumuul, iuaugurirte Lehrkanzel der
rumänischen Sprache und Literatur, welche an das Czernowitzer Obergymnasium überging,
sowie die au den später errichteten Mittelschulen und an der Universität eingeführten
Lehrkanzeln gleicher Kategorie. Mit der Einführung dieser Lehrkanzeln und insbesondere
mit der Ereiruug der alma mater ^ranciseo-^osepkina dernautivnsis wurden anch den
Rumänen der Bukowina die Bedingungen für die geistige Entwicklung ihrer Eigenart, uud
somit auch für die Entfaltung literarischer Thätigkeit zu Theil.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch