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lieber in den Dienst der ruthenischen Literatur zn stellen. Der Erfvlg, den er mit seinen
ersten ruthenischen Gedichten bei seinen Connationalen in Galizien weit mehr, als bei denen
in der Bukowina erzielte, bewirkte, daß er nunmehr mit verdoppeltem Eifer an die Aus-
führung weiterer literarischer Aufgaben schritt und sich bald zu dem Range eines der
bekannteren und beliebteren ruthenischen Schriftsteller emporschwang. Allerdings ist nicht
Alles, was Fedkowicz in dem langen Zeitraume von 1859—1888 schrieb, von gleichem
poetischen Werthe gewesen, und lassen sich in seiner literarischen Wirksamkeit ganz deutlich
zwei Phasen unterscheiden. In der ersten Phase, die mit 1859 beginnt und mit 1867 endet,
steht Fedkowiez auf der Höhe seines Könnens und Schaffens, und sind die in dieser Zeit
entstandenen Gedichte und Erzählungen, insbesondere aber die letzteren, als eine wirkliche
Zierde der ruthenischen Literatur zu bezeichnen. Wohl ist der Jdeenkreis, der in diesen
größtentheils ganz knappen Schilderungen aus dem Leben der Soldaten und des lebhaften,
in Haß und Liebe gleich leidenschaftlichen Bergvölkchens der Huzulen zum Ausdruck gelangt,
weder groß noch bedeutend genug, aber der Dichter entschädigt uns für diesen Mangel durch
die ihm eigene künstlerische Gestaltungsgabe, sowie durch die überraschend frische Unmittel-
barkeit der Auffassung und Empfindung. In dieser Beziehung stehen die Produkte der ersten
Periode seiner schriftstellerischen Wirksamkeit auf dem Gebiete der ruthenischen Literatur
unübertroffen da, und werden sie die ihnen innewohnende poetische Actnalität, noch erhöht
durch das liebliche, mundartliche Colorit der Sprache und die lebenswahre Treue der äußeren
Scenerie, auch in der Folgezeit nicht so leicht einbüßen. Wesentlich anders verhält es
sich dagegen mit den Produkten Fedkowicz'scher Muse aus der zweiten, von 1867—1888
reichenden Periode. Im ersten Augenblicke zwar machen diese Prvdncte in Bezug auf
Gedankenfülle und Mannigfaltigkeit der Formen einen fast noch günstigeren Eindruck, als
jene aus der ersten Periode; sieht man aber näher zu, so wird man finden, daß es keine aus
der eigenen Erfahrung und Empfindung des Dichters geschöpften Werke sind, sondern Nach-
empfindungen und Nachbildungen fremder Werke, vornehmlich aber derer von Szewczenko.
Doch auch in den Erzeugnissen, die von Szewczenko und anderen hier in Betracht
kommenden südrussischen und fremden Schriftstellern nicht beeinflußt sind, vermag
Fedkowicz nicht mehr zu der früheren Höhe sich hinaufzuschwingen. Sein Flügelschlag
war in Folge von Umständen, die wir lieber uuerörtert lassen, offenbar schon gelähmt und
er förderte unnmehr entweder ganz verfehlte Werke zu Tage, wie beispielsweise den
„Dowbusz", oder bloße Paraphrasen eigener älterer Gedichte und Erzählnngen, wie dies
beispielsweise in den „Dniestrwirbeln", dem „Grabhügel der Lelija" und anderen der
Fall ist. Nur in den geistlichen Liedern, deren er in dieser Periode eine größere Zahl ver-
faßte, bewährte sich Fedkowicz noch als der frühere Meister, obschon allerdings in einer
ganz anderen Richtung, als früher. Der subjektivste rutheuische Dichter entpuppte sich in
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch