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Bischofs, dem Laudesverweser und nachmaligen Wojwoden Jeremia Mogilas in den
Jahren 1578 bis 1581 erbaut. Es ist das imposanteste und, mit Dragomirua, das best-
erhaltene der Bukowiner Klöster. Die Ecken der den Klosterhof umschließenden, mehr als
sechs Meter hohen gewaltigen Ringmauern werden von vier Thürmen eingenommen,
deren nordwestlicher, gestützt durch besondere Strebepfeiler, quadratisch erscheint, während
die drei anderen polygonalen Grundriß besitzen. Der quadratische Eingangsthurm hat sein
schmales, sehr niedriges Thor zwischen zwei ungeheuer massigen, an ihren Borderseiten
wohl je sechs Meter breiten, aus riesigen Quadern hergestellten Strebepfeilern.
Während die bisher vorgeführten Bukowiner Klöster, ebenso wie das weiter unten
beschriebene ehemalige Kloster Solka, mit Ausnahme des Klosters Suezawa, in Gebirgs-
thälern liegen, befindet sich das Kloster Dragomirna im Hügellande, allerdings
eingeschlossen zwischen ausgedehnten Waldungen. Es wurde im Jahre 1602 von dem
Metropoliten der Moldau, Anastasius Krimka gegründet, der anch die prachtvolle Kirche
errichtete. Erst nachträglich, und zwar durch deu Wojwoden Miron Mogila (Barnowski)
gegen 1630, erhielt dieses Kloster, ähnlich dem Kloster Snczawitza, eine festuugsartige,
starke Umwalluug; insbesondere wnrden hier sehr bequeme, noch heute bestehende gedeckte
Umgänge vor den schmalen Schießscharten der Ringmauern angeordnet. Dragomirna bildet
die jüngste größere Befestigungsanlage in der Bukowina.
Nahezu gleich gut umwallt ist auch das ehemalige Kloster Solka, das von dem
Wojwoden Stefan X. Tomsza im Jahre 1612 begründet, und, als der vertriebene Fürst
neuerdings auf den Thron gelangte, im Jahre 1623 durch ihn vollendet wurde. Mit Aus-
nahme der schönen Kirche und des Glockenthurmes befinden sich die Baulichkeiten, welche
jenen von Watra-Moldawitza ziemlich gleichen, bereits in halb ruiuenhastem Zustande.
Mit einer allerdings kaum meterdicken, durch Strebepfeiler verstärkten Mauer ist
endlich auch noch das armenische Kloster zum heiligen Axenti umwallt, das, westlich der
Stadt Suezawa und etwa einen Kilometer von dieser entfernt, am nördlichen Steilrande
des höchsten Punktes der Umgebung der Stadt liegt und im Jahre 1551 von dem Armenier
Agopsza gestiftet wurde. Au der Südseite, nahe der Südostecke, befindet sich der heute
uubeuützte Eingang unter einem mehrgeschoßigen, eine Kapelle enthaltenden Glockenthurm,
in dessen Thorhalle man, und zwar auf dem Schlußstein des Thorbogens, die Jahreszahl
1606 bemerkt. Das stockhohe, interessante, eine zierliche Hauskapelle einschließende Haupt-
gebäude, das wohl schon vor der Klostergründung bestand, liegt an der Nordseite und hat
hier seinen Zugang durch einen niederen, schmalen Thorweg. An der westlichen, südlichen
und östlichen Klostermauer ließ Johann Sobieski, als er im Jahre 1686 aus Jassy nach
Polen zurückkehrte, den sich an den Ecken bastionenartig erweiternden Wall mit Graben
neu anlegen oder einen etwa schon bestandenen bedeutend vergrößern, so daß die Graben-
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch