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so in Badeutz, Woronetz, Watra-Moldawitza, Suczawitza, :c.; auch das bereits erwähnte
Bild des Klosters Pntna aus der Mitte des XVIII. Jahrhunderts, sowie das aus den
Fünfziger-Jahren von Professor Knapp stammende Aquarell dieser Klosterkirche zeigen das
Gotteshaus mit einem gegliederten, in der Nähe der Kuppel tiefer gehaltenen Dache;
ebenso erscheint auf einem älteren, im Bukowiuer Landesmuseum befindlichen Aquarell
die Klosterkirche Dragomirna noch mit dieser Dachform dargestellt. Seither hat man
bedauerlicherweise die Bedachungen meist durch plumpe, weit vorspringende, abgewalmte
Satteldächer ersetzt. An vielen Kirchen, so in Badeutz, Watra-Moldawitza und Solka,
bemerkt man noch deutlich innerhalb des jetzigen Dachbodens, am Laternenfuß, die
ehemaligen, niedrig gelegenen Anschlußlinien der alten Dachflächen, sowie darüber
Reste früherer Bemalung. Typisch sind für alle diese Kirchen die Kuppel und Dach-
spitzen besetzenden, hohen, eisernen Kreuze, welche in ihrer Lage mittelst Ketten fixirt
werden; berühmt waren von jeher die reich vergoldeten Kreuze von Solka.
Vom Naos ist die Hauptapsis (Altarraum oder Sauctuarium) durch die mit drei,
mehr oder weniger gittersörmig gestalteten Thüren versehene Bilderwand (Bildträger,
Jkonostasis oder Templon) abgeschlossen, deren mittlere oder Königsthüre nur vom
liturgisirendeu Priester benützt werden darf und durch welche dem Volke der gemauerte,
mit einer Steinplatte abgedeckte und mit Stoff überzogene Altar (der heilige Tisch) sichtbar
bleibt. Zu beiden Seiten desselben befinden sich in den Seitenmauern ausgesparte, offene,
winzige Kämmerchen (Prothesis oder Proskomidie und Diakonikon oder Typikarion) mit
dem Rüsttische und einem Waschbecken, beziehungsweise einem Glutherde. Im Sanctuarium,
sowie häufig auch im Naos und Pronaos sind eine Anzahl kleiner Wandnischen zum
Einlegen vou Büchern nnd Geräthen angeordnet; hie nnd da zieht sich im Innern der
Hauptapside eine halbkreisförmige, gemauerte Stufe mit einem mittleren, erhöhten, nischen-
artig gestalteten Sitze hernm, eine Reminiscenz an die im Presbyterium des altchristlichen
Basilikenbaues angeordneten Sitze für die Geistlichkeit, beziehungsweise den Bischof. An
dieser Stelle ist gewöhnlich auch der Grundstein des Banwerkes zu suchen.
Wie das Sanctuarium, so erscheint zumeist auch der Raum der Seitenapsiden nm
eine Stufe über den Naos erhöht nnd es dient derselbe mit den kreisförmig angeordneten
Chorstühlen oder Stehlehnen (Strani) und dem in der Nähe der Widmungswand
aufgestellten Bischofsstuhle für die Sängerchöre und die Mönche oder für angesehene
Laienspersonen. Hier finden wir ferner Drehpulte (Aualogia) zum Auflegen der Meßbücher,
das Pult zur Aufnahme des Festtagsbildes (Proskynitarion), Stand- und Kronleuchter,
Fahnen und dergleichen.
Architektonische Detailformen sind an diesen Kirchen oft nur an den Steingewänden
des Haupteinganges mit dem im Allgemeinen fpitzbogig gestalteten Tympanon, an den
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch