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Kloster Zamka bei Suezawa, welches aus einem aus Stein gemeißelten verknüpften Wulst
besteht, der ober- und unterhalb von verschiedenfarbigen, glasirten Ziegeln begleitet wird.
Eine große Zahl der Kirchen besitzt, in der Regel zunächst der Eingangsthüre, eine
wohl auch mit einfachem gothischem Stabwerk umrahmte oder wappenartig gestaltete
Steintafel, die in kirchenslavischen Lettern Daten über die Errichtung des Gebäudes enthält.
Glockenthürme, ehedem in den Klöstern — in welchen noch heute das Zeichen zum
Beginne des Gottesdienstes mittelst Schläge auf eine lange, schmale Holzlatte (toaeu)
oder auf ein großes, hufeisenförmig gebogenes Eisen (touea äe tier) gegeben wird —
seltener vorkommend, werden aus Holz oder einfachem Mauerwerk ganz freistehend errichtet;
an befestigten Kirchen erscheint in der Regel ein Thurm der Umfassung znr Unterbringung
der Glocken benützt. Ausnahmsweise steht der Glockenthurm über der Vorhalle oder als
besonderer Bau mit der Kirche in enger oder näherer Verbindung; auch die offene Vorhalle
diente früher und dient ausnahmsweise noch jetzt zum Aufhängen der Glocken. In jüngerer
Zeit tritt vielfach an die Stelle eines Thurmes eine gemauerte Glockenwand.
Wir haben nur noch kurz zweier Kirchen in der Bukowina zn gedenken, welche
beide namhafte Abweichungen von dem geschilderten moldauisch-byzantinischen Baustile
zeigen und die Reihe der Bukowiner Kirchen aus der älteren Periode gewissermaßen nach
unten und oben begrenzen. Die eine derselben ist die ehemalige bischöfliche Kathedral-
kirche in Radautz, welche bereits vor der im Jahre 1402 durch den Fürsten Alexander
den Guten erfolgten Errichtung des Bisthums als Klosterkirche bestand und die Grabinäler
des in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts verstorbenen Wojewoden Bogdan I. und
einiger Nachfolger enthält. Naos und Prouaos sind hier durch massige, vierkantige Pfeiler
in je drei Schiffe getheilt, die mit Tonnen überwölbt erscheinen. Über den niedrig gehaltenen
Seitenschiffen bestehen gangartige, überwölbte Kämmercheu, die vom Prouaos, beziehungs-
weise vom Dachboden ans, mittels einer kleinen steinernen Wendeltreppe zugänglich sind;
die Apsis ist mit einer Halbkuppel überdeckt. Diese Kirche ist wohl, nach der basilikaartigen
Anlage und den alten Grabstätten zu schließen, das älteste der Bukowiner Gotteshäuser
nnd wurde vielleicht durch Bogdan selbst errichtet. Die Vorhalle stammt aus dem Jahre
1559 und trägt eine Blindkuppel im moldauisch-byzantinischen Stile, deren oberer Theil
merkwürdigerweise blos in verputztem Flechtwerk hergestellt war.
Das im Jahre 1767 von Jgnmen Artemon an Stelle eines hölzernen Kloster-
kirchleins errichtete, von der Kaiserin Katharina II., wie übrigens auch andere Kirchen,
reich beschenkte Gotteshaus in Horecza bei Czernowitz zeigt allerdings im Wesen den
alten typischen Grundriß, aber keinerlei gothische Detailformen. Die römisch erscheinenden
Renaissancecapitäle stehen theilweise in unmittelbarer Verbindung mit dem in eine Spitze
auslaufenden Kleeblattbogen. Mit ihren drei, Naos, Altarraum und die über der Vorhalle
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch