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Himmelfahrt Christi, Bilder aus der göttlichen Liturgie, die Muttergottes als Allheilige
oder Pauagia, die heiligen Bischöfe u. s. w., während die Darstellungen im Pronaos u. a.
den Lebens-, beziehungsweise Leidensgang des Kirchenpatrons schildern. Die gegen Westen
gerichtete Wandfläche der Vorhalle oder des Kirchenäußeren enthält in der Regel das große
Bild der Wiederkunft Christi, das jüngste Gericht. Die Außenmalerei entnimmt ihren
Inhalt vielfach dem alten Testamente und bringt auch mehr oder weniger profane Dar-
stellungen, wie die der Belagerung K onstantinopels durch die Türken, die Über-
bringung des Leibes des heiligen Johannes Novi nach Snczawa, die Gestalt des
Metropoliten Gregor Roszka neben der des Einsiedlers Daniel in Woronetz u. s. w. und
zeigt hie und da wohl auch Imitationen von Stein- oder mehrfarbigem Ziegelrohbau.
Wie die alten Tafelgemälde, welche sich in zartester Weise auch über einzelne
Flächen der Einrichtungsstücke <AnalvFia, l'ript^cba, Thüren !c.) erstrecken, in der
Regel auf mit Gyps überzogenen Holztafeln hergestellt wurden, so erscheinen auch die
Wandmalereien auf einer sorgfältig geglätteten, im Ganzen jedoch den Unebenheiten der
rohen Bruchsteinwand folgenden Mörtelschichte aufgetragen. Dem eine verhältnißmäßig
dünne Schichte bildenden fetten Mörtel wurden langfaserige, zähe Gräser oder Kälberhaare
beigemengt, um neben genügender Festigkeit den nöthigen Haft an den Wänden zu erzielen
und das Rissigwerden zu verhüten. Die Farben sind kräftig, satt und gut deckend. In
der Technik der Malereien ist ebensowenig, wie im Stil und'ihrer Detailbehandlung ein
merkbarer Unterschied zwischen den aus verschiedenen Zeiten stammenden Werken nach-
weisbar, ja es scheinen die Mehrzahl der Darstellungen gegenseitige Copien zu sein.
Trotz des gewaltigen Umfanges der Malereien wurden die Kirchen häufig binnen einem
Jahre ausgemalt, was die Thätigkeit einer größeren Anzahl von Künstlern und Arbeitern
voraussetzt. Man ersieht dies deutlich an den Gemälden selbst, von welchen weder alle
gleichwertig sind, noch auch die einzelnen derselben in allein dieselbe Hand zeigen. Die
Köpfe sind zumeist sehr ausdrucksvoll und rühren, sowie die Hauptconception der
Darstellung vom Meister her, während alles übrige durch Hilfskräfte besorgt wurde;
die Staffage namentlich erscheint immer recht handwerksmäßig durchgeführt. Das Ganze
wirkt aber trotzdem infolge der ziemlich gleichmäßigen Vertheilnng der gesättigten Farben
im Halbdunkel der Jnnenräume und auch im Äußern harmonisch und ruhig.
In der Bukowina stand die Wandmalerei schon sehr frühzeitig in Übung. So
stammen die noch sichtbaren Reste an der 1401 erbauten älteren Klosterkirche zu Watra-
Moldawitz a, wenn nicht schon aus dieser Zeit, so doch spätestens aus dem Jahre 1531,
in welchem die Kirche zu Grunde ging. Es zeigen ferner die Ruinen der bezüglich ihrer
Bauzeit allerdings noch nicht bestimmten Kapelle am alten Fürstenschlosse zu Suczawa,
sowie an der alten, 1513 verfallenen Mirautzer Kirche ebendaselbst Reste fignraler und
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch