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Feldmarschall-Lieutenant Graf Heinrich Hardegg, ein kenntnißreicher, von den besten Inten-
tionen für den Culturfortschritt der Bukowina beseelter Mann, stellte sowohl in Beziehung
anf die Pferdezucht als auf die ökonomische Verwaltung der Herrschaft Radautz rationelle
Grundsätze auf, zu deren Durchführung er im Jahre 1819 den Wirthfchaftsdirector
Gottfried von Asböth aus Ungarn berief. Asboth gab die Dreifelderwirthschaft auf und
ging zu einer geregelten Frnchtfolge über; unter seiner Leitung wurden durch mehrere
Jahre ganze Bataillone Militär zu Waldrodungen verwendet, ausgedehnte Sümpfe trocken
gelegt, und die so gewonnenen Bodenstrecken für den Acker- und Wiesenban benützt. Der
Fortschritt der Landwirthschaft auf der Radautzer Gestütsherrschaft unter Asboth trug
dem ganzen Land gute Früchte, denn viele Privateigenthümer von Grund und Boden nahmen
sich an der Radautzer Wirthschaft ein Vorbild, indem sie sich nicht nur auf die Verbesserung
der Agricultur, die Trockenlegung ausgedehnter Sümpfe und die Düngung der Felder,
sondern auch auf die Errichtung von Gestüten verlegten.
Nach Asböth's Tode im Jahre 1838 wirkte, in dessen Fußstapfen tretend, Hermann
Ambrosius als Wirthfchaftsdirector. Der Gestütscommandant Oberst Herrmann brachte
anf die Radautzer Herrschaft mit dem rothen (Tiroler) Rinderschlag die Ansätze zur Zucht
eines besseren Rindes, als das in der Bukowina bis dahin meist verbreitete graue, der
podolischeu Steppeurace augehörige, war. Große Verdienste erwarben sich Oberst Herrmann
nnd Director Ambrosius auch um die Pflege des Obstbaues.
Einen völligen Umschwung aller agrarischen Verhältnisse brachte die am 7. September
1848 erfolgte Aufhebung des Unterthansverhältnisses mit sich; derselbe äußerte sich
vorerst in empfindlichen Wirthschaftsstörungen bei den Latifundienbesitzern, da der von
der Robot befreite Bauer fast überall dem Grundherrn jede Arbeitsleistung, selbst zum
höchsten Taglohne, versagte. Noch schlimmer aber war es, daß der Bauer die gewonnene
Freiheit nicht zur intensiveren Bearbeitung des nnnmehr in seinem nnnmschränkten Eigen-
thums befindlichen Bodens verwendete, sondern sich damit begnügte, nur so viel zu erzeugen,
als er bei seiner Bedürsnißlosigkeit unumgänglich zum Leben brauchte. Dem Mangel an
Arbeitskräften suchten die Großgrundbesitzer vorerst durch Herbeiziehung fremder Arbeiter,
besonders aus dem westlichen Galizien, abzuhelfen; sie sahen sich aber bei den geringen
disponiblen Capitalien nach und nach genöthigt, den Feld-, namentlich den Körnerban
einzuschränken und in der Erweiterung der Viehmästung und Branntweinbrennerei Ersatz
zu suchen. Dem Feldbau kam die Ausdehnung der Viehhaltung und der Mästung des
vorwiegend aus Rußland und der Moldau importirten Viehes insofern« zu gute, als
der gewonnene Dünger auf die Felder gelangte und der im Laufe der Jahre durch den
ununterbrochene» Körner- namentlich Kukuruzbau erschöpfte uud unprodnctiv gewordene
Boden in besseren Stand gesetzt wurde.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch