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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Seite - 463 -
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463 Feldmarschall-Lieutenant Graf Heinrich Hardegg, ein kenntnißreicher, von den besten Inten- tionen für den Culturfortschritt der Bukowina beseelter Mann, stellte sowohl in Beziehung anf die Pferdezucht als auf die ökonomische Verwaltung der Herrschaft Radautz rationelle Grundsätze auf, zu deren Durchführung er im Jahre 1819 den Wirthfchaftsdirector Gottfried von Asböth aus Ungarn berief. Asboth gab die Dreifelderwirthschaft auf und ging zu einer geregelten Frnchtfolge über; unter seiner Leitung wurden durch mehrere Jahre ganze Bataillone Militär zu Waldrodungen verwendet, ausgedehnte Sümpfe trocken gelegt, und die so gewonnenen Bodenstrecken für den Acker- und Wiesenban benützt. Der Fortschritt der Landwirthschaft auf der Radautzer Gestütsherrschaft unter Asboth trug dem ganzen Land gute Früchte, denn viele Privateigenthümer von Grund und Boden nahmen sich an der Radautzer Wirthschaft ein Vorbild, indem sie sich nicht nur auf die Verbesserung der Agricultur, die Trockenlegung ausgedehnter Sümpfe und die Düngung der Felder, sondern auch auf die Errichtung von Gestüten verlegten. Nach Asböth's Tode im Jahre 1838 wirkte, in dessen Fußstapfen tretend, Hermann Ambrosius als Wirthfchaftsdirector. Der Gestütscommandant Oberst Herrmann brachte anf die Radautzer Herrschaft mit dem rothen (Tiroler) Rinderschlag die Ansätze zur Zucht eines besseren Rindes, als das in der Bukowina bis dahin meist verbreitete graue, der podolischeu Steppeurace augehörige, war. Große Verdienste erwarben sich Oberst Herrmann nnd Director Ambrosius auch um die Pflege des Obstbaues. Einen völligen Umschwung aller agrarischen Verhältnisse brachte die am 7. September 1848 erfolgte Aufhebung des Unterthansverhältnisses mit sich; derselbe äußerte sich vorerst in empfindlichen Wirthschaftsstörungen bei den Latifundienbesitzern, da der von der Robot befreite Bauer fast überall dem Grundherrn jede Arbeitsleistung, selbst zum höchsten Taglohne, versagte. Noch schlimmer aber war es, daß der Bauer die gewonnene Freiheit nicht zur intensiveren Bearbeitung des nnnmehr in seinem nnnmschränkten Eigen- thums befindlichen Bodens verwendete, sondern sich damit begnügte, nur so viel zu erzeugen, als er bei seiner Bedürsnißlosigkeit unumgänglich zum Leben brauchte. Dem Mangel an Arbeitskräften suchten die Großgrundbesitzer vorerst durch Herbeiziehung fremder Arbeiter, besonders aus dem westlichen Galizien, abzuhelfen; sie sahen sich aber bei den geringen disponiblen Capitalien nach und nach genöthigt, den Feld-, namentlich den Körnerban einzuschränken und in der Erweiterung der Viehmästung und Branntweinbrennerei Ersatz zu suchen. Dem Feldbau kam die Ausdehnung der Viehhaltung und der Mästung des vorwiegend aus Rußland und der Moldau importirten Viehes insofern« zu gute, als der gewonnene Dünger auf die Felder gelangte und der im Laufe der Jahre durch den ununterbrochene» Körner- namentlich Kukuruzbau erschöpfte uud unprodnctiv gewordene Boden in besseren Stand gesetzt wurde.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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