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In diesem äußerst primitiven Zustande befand sich die Salzgewinnung am Anfange
des laufenden Jahrhundertes. Die Production war eine geringe und litt überdies häufig
unter dem — namentlich in der heißen Jahreszeit wiederholt auftretenden — Mangel an
dem zur Erzeugung der Salzsole erforderlichen Wasser. Dem entsprechend war denn auch
der Absatz des gewonnenen Salzes ein sehr geringfügiger. Die Ursache hievon war (abge-
sehen von den eben erwähnten mangelhaften Werkvorrichtungen) eine doppelte, einmal
der Mangel an Commuuicationsmitteln und sodann, und zwar ganz besonders, das
rücksichtsvolle Auftreten der Regierung, welche der Bevölkerung der Bukowina das neu
eingeführte Salzmonopol möglichst wenig drückend machen wollte und demgemäß mit
kaiserlichem Patent vom Jahre 1803 denjenigen Gemeinden, auf deren Territorium
natürliche Salzquellen vorkamen, das Recht des freien Solenbezuges zugestand. Das
Kaezikaer Salz wurde vorwiegend in der Umgebung abgesetzt, während der größte Theil
des Landes von Galizien aus mit Salz versorgt werden mußte.
Die Salinenverwaltung, die den damaligen unbefriedigenden Zustand des Kaezikaer
Werkes wohl erkannte, war bestrebt, Verbesserungen in der Salzgewinnung einzuführen
und wandte sich zu diesem Behufe zu wiederholten Malen an ihre vorgesetzten Behörden.
Da jedoch diese Verbesserungen mit namhafteren Geldopfern verbunden gewesen wären
und die finanzielle Lage des Staates zu jener Zeit solche absolut nicht gestattete, so blieben
die bezüglichen Bemühungen ohne Erfolg. Erst gegen das Ende der Zwanziger-Jahre
wurden einige Neuerungen eingeführt; es wurden verbesserte Sudpfannen angeschafft,
welche bei namhafter Erfparniß an Brennmaterial eine gesteigerte Salzgewinnung
gestatteten; es wurde ein Salzmagazin gebaut und dergleichen mehr.
Weitergehende Verbesserungen wurden um das Jahr 1848 eingeführt. Es wurde
eine den modernen Anforderungen entsprechende Sudpfanne angeschafft und Versuche
angestellt, um eiueu rationelleren Dörrproceß des Salzes zu erzielen. Für den Gruben-
betrieb wurde ein neuer Plan entworfen, durch welchen ein mehr systematischer Abbau des
Salzes ermöglicht wurde. Außerdem wurde, um stets über einen genügenden Wasservorrath
zur Solenerzeugung zu verfügen, ein Teich angelegt, aus dem das Wasser in das
Bergwerk eingeleitet werden kann. Endlich wurden in der Nähe des Sudhauses (etwas
unter dem Niveau dieses Teiches) sechs große Kästen in der Erde hergerichtet, die mit dem
Wasser des Teiches gefüllt werden, so daß nunmehr die Auslaugung der unreinen Stein-
salzstücke, die früher — wie erwähnt — in dem Solenschachte erfolgte, in diesen
Wasserkästen auf der Erdoberfläche bewerkstelligt werden kann.
Die gegenwärtigen, ungefähr seit dem Ende der Siebziger-Jahre geschaffenen Werk-
vorrichtungen der Saline Kaezika und der gegenwärtige Betrieb des Bergwerkes entsprechen
dnrchgehends den Anforderungen der modernen Technik. Die Erzeugung beträgt jährlich
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch