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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Band 22
Seite - 310 -
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310 und neben slavischen Elementen finden sich aus jüngerer Zeit viele orientalische, namentlich die auf den Fetischismus zurückzuführenden Steinamulette, welchen je nach der Stein- gattung besondere Kräfte zugeschrieben werden. Auch hier haben sich die Vorstellungen von bösen Gottheiten viel deutlicher erhalten als jene von guten, deren Urbilder im Scheine des Christenthums verblaßten. Namentlich ist die Erinnerung an die Erdenmächte deutlich ausgeprägt. An sie erinnern die B a n- opfer, dieSchlangenbrände und auch der Glaube an die glückbringende weiße Haus- schlange, welcher im ganzen Lande angetroffen wird. Daran erinnern auch die Bräuche am St . Je remias-Tage , welchen man bis auf die Gegenwart huldigt, um die bösen Erdgeister zu versöhnen. Vor Sonnenaufgang geht man da mit einer Blechpfanne um Haus und Feld, und indem man sie mit einem Klöppel bearbeitet, ruft man mit schallender Stimme: u poljs, a vi Au '^e u more!« (Jeremias komm ins Feld und ihr Schlangen in die See!) Die Jugend streift in der ganzen Umgebung mit aus Weidenrinde angefertigten großen Schallhörnern umher und verrichtet einen Heidenlärm, um damit gleichfalls die Erdgeister zu verscheuchen, während die Hausfrau sorgfältig jeden Winkel ausfegt und dabei eine Beschwörung spricht, die alles kriechende Ungeziefer bannen soll. Auf die menschliche Existenz wirken besonders schädigend der Urok, der Namet und die Ograma. Unter „Urok" versteht man den allgemein verbreiteten Wahnglauben an die Wirkung des „Bösen Blickes" oder des „Verschreiens". Dieser Aberglaube ist so verbreitet, daß Worte Kilo ti uroka s moM oka* (mein Blick möge dich nicht schädigen) zu den gebräuchlichsten Redensarten gehört. Wie weit auch im Alterthum dieser Wahnglaube verbreitet war, beweist der Umstand, daß Plinius von den alten Jllyriern berichtet, es gäbe unter ihnen Leute mit doppelter Pupille, deren sascinirender Blick selbst den Tod verursachen könne. Gegen den Urok werden viele Schutzmittel angewendet. Thieren werden Löffel um den Hals gebunden, die Mähne kurz geschoren, uud um die Kinderwiege wird mit dem Besen ein Kreis gezogen. Man erkennt bei Kindern die Wirkung des Urok an der nach Salz schmeckenden Stirne, und um zu helfen, borgt man von derjenigen Person, die man im Verdachte hat, daß sie das Kind verschrien hat, oder die man durch Bleigießen oder durch die Kohlenprobe im Wasser ermittelt hat, etwas Salz und gibt es dem Kinde in Wasser zu trinken. Auch kommen folgende Sprüche in Anwendung: Die Mutter räuchert das Kind mit Spreu (jedoch nicht von Mais) und spricht: se sviM khedom krsni, tako majka 8vHe clijete oä 2la brani". (Wie Brod die Welt nährt, so die Mutter ihr Kind
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bosnien und Herzegowina, Band 22
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bosnien und Herzegowina
Band
22
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1901
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.34 x 22.94 cm
Seiten
536
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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