Seite - 455 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Band 22
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den landwirtschaftlichen Betrieb der Umgebung den wohlthätigsten Einfluß aus. Die in
Rudolfsthal und Windthorst befindlichen Ansiedler sind aus Preußen, WestpHalen, Sachsen
und Holland, die in Franz-Josefsfeld ansässigen Colonisten aus dem Banat und
dem Comitate Bacs-Bodrog eingewandert. Diese Colonien zählen 487 Familien mit
2621 Seelen und besitzen eine Area von 3777 Hektar, wovon 633 Hektar landesärarische
Grundstücke sind, welche den Colonisten in Franz-Josessfeld zugewiesen wurden. Sämmtliche
Ansiedler sind deutscher Nationalität, und es entfallen 1460 Seelen auf das römisch-
katholische, 1161 Seelen auf das evangelische Religionsbekenntniß.
Zur systematischen Besiedlung landesärarischer Grundstücke wurde erst in neuerer
Zeit geschritten, wobei die Colonisten je nach dem Ausmaße der verfügbaren Grundstücke
theils in größere Ortschaften, theils in Häusergruppen vereinigt wurden. Die den
Colonisten zugewiesenen landesärarischen Grundstücke sind durchwegs dem Waldboden
entnommen, welcher mit werthlosem Gestrüpp bewachsen war, jedoch zur Umwandlung in
Ackerland durch Roden sich vorzüglich eignet. Als Minimum wurden zwölf Hektar für je
eine Familie aufgetheilt. Die Ansiedler erhalten das zum Aufbau der Wohn- und
Wirthschaftsgebäude erforderliche Bauholz unentgeltlich aus den ärarischen Forsten, ferner
nach Maßgabe des Bedarfes unverzinsliche, in Jahresraten rückzahlbare Darlehen, und in
berücksichtigungswürdigen Fällen wird denselben auch die Steuerfreiheit zugestanden.
In den ersten drei Jahren wird von den Colonisten für die ihnen übergebenen
Grundstücke vom Landesärar kein Pachtzins eingehoben; erst vom vierten Jahre der Pacht-
dauer an haben dieselben einen Pachtzins von fünfzig Kreuzer pro Hektar jährlich
zu entrichten. Nach Ablauf von zehn Jahren werden den Ansiedlern, wenn sie die über-
nommenen Grundstücke urbar gemacht haben und ordnungsmäßig bewirthschaften, sowie in
politischer und moralischer Beziehung sich correct verhalten, die bis dahin verpachteten
Grundstücke vom Landesärar unentgeltlich ins Eigenthum überlassen. Infolge dieser für die
Colonisten sehr günstigen Bedingungen ist die Nachfrage nach landesärarischen Grundstücken
eine sehr lebhafte geworden. Es wurden unter diesen Modalitäten in den letzten Jahren
in den Bezirken Bosnisch-Gradiska, Dnbica, Prnjavor, Dervent, Tesanj, Zenica, Zepce,
Banjalnka, Novi und Zvornik 1054 externe Familien mit 5712 Seelen auf 13.093 Hektar
angesiedelt.
Bei der Errichtung von Kirchen, Schulen und Pfarrhäusern werden die Colonisten
von der Regierung thunlichst unterstützt, und wird dafür gesorgt, daß in dieser Hinsicht
den vorhandenen Bedürfnissen vollkommen Rechnung getragen werde. Die von der
Landesverwaltung begonnene Besiedlung der verfügbaren landesärarischen Grund-
stücke wird planmäßig fortgesetzt, und sind auch gegenwärtig mehrere Colonien im
Entstehen begriffen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Band 22
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bosnien und Herzegowina
- Band
- 22
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.34 x 22.94 cm
- Seiten
- 536
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch