Seite - 460 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Band 22
Bild der Seite - 460 -
Text der Seite - 460 -
460
6168 68 Hektar entfallen 5900 92 Hektar auf die Hercegovina und nur 267 75 Hektar
auf Bosnien. Die in der Hercegovina dem Weinbau gewidmeten Flächen hatten vor der
Übernahme der Verwaltung durch Österreich-Ungarn ein Ausmaß von 4403 14 Hektar,
im Jahre 1898 bereits ein solches von 5900 92 Hektar, was einer Zunahme von
40 Procent entspricht. Der Weinbau in Bosnien nahm vor der Occupatio» eine Area
von 121 36 Hektar ein, während im Jahre 1898 bereits 267 75 Hektar mit Wein
bepflanzt waren, woraus eine Flächenznnahme von 120 Procent resultirt.
In der Hercegovina wird der Weinbau in den Bezirken Mostar (3029 42 Hektar),
Ljubuski (1017 44 Hektar), Koujica (656 47 Hektar), Stolac (842 25 Hektar), Trebinje
(267 85 Hektar) und Ljubinje (87'49 Hektar) betrieben, während die übrigen drei
Bezirke, Gacko, Bilek und Nevesinje, weil zu hoch gelegen, die Rebencultur nicht mehr
zulassen. Die Cultur selbst steht noch zum großen Theile auf einer niedrigen Stufe. Die
Reben, im Bockschnitte mit kurzem Tragholz gehalten, werden in der Hercegovina
meist ohne Pfähle gezogen. Einzelne Producenten beginnen jedoch, dem Beispiele der
landesärarifchen Obst- und Weinbaustationen in Mostar und Lastva folgend, bereits
Rebpfähle einzuführen; die pfahllose Cultur wird mit der Zeit vollständig weichen müssen,
da bei derselben keine sichere Bekämpfung der Peronospora möglich ist. Von der
Phylloxera ist das Occnpationsgebiet bisher ganz verschont geblieben.
Unter den Weißweinsorten der Hercegovina steht die Zilavka obenan. Zu den
besseren weißen Keltersorten werden noch die Krkosija, Rezakija, Vena, Jasocka und
der weiße Posib gerechnet. Der Mirisavac hat ausgesprochenen Muskatellergeschmack.
Von den rothen Keltertrauben sind die Skadarka und die Blatina die werthvollsten. Eine
zwar kleinbeerige, aber sehr reichtragende Rothweinsorte ist die Orucevka.
Die in der Hercegovina gezogenen besseren Tafeltraubensorten zeichnen sich durch
einen hohen Zuckergehalt und feinen Geschmack aus. Sie dürften berufen sein, schon in
der nächsten Zeit auf den Märkten der nördlichen europäischen Städte als Frühtrauben
eine bedeutende Rolle zu spielen. Schon das von Goethe übersetzte Gedicht „Des Prinzen
Mnjo Krankheit" rühmt die Vorzüglichkeit der Mostarer Tranben.
Die hercegovinischen Weine, welche allgemein als „Mostarer" bezeichnet werden,
haben den Charakter der südlichen Weine, sind alkoholreich und säurearm, mit hohem
Extractgehalt und, bei entsprechender Kellerpflege, auch mit angenehmer Blume. Die mittlere
Weinprodnctionsmenge beläuft sich auf circa 30.000 Hektoliter, wobei aber zu bemerken
ist, daß ein sehr großer Theil der Trauben im frischen Zustande zum Consum gelangt.
Durch das Vorbild der landesärarifchen Obst- und Weinbaustationen angeeifert,
haben in neuerer Zeit intelligentere einheimische Weinproducenten in großem Stile
musterhaft angelegte Kellereien errichtet, in welchen nicht nur die eigene Lese, sondern auch
zurück zum
Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Band 22"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Band 22
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bosnien und Herzegowina
- Band
- 22
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.34 x 22.94 cm
- Seiten
- 536
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch