Seite - 463 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Band 22
Bild der Seite - 463 -
Text der Seite - 463 -
463
Die Feigencultur wird blos in den Weinbaugebieten der Hereegovina betrieben,
wo die Feigenbäume in den Weingärten und an den Feldrändern, ferner auch in Hausgärten
in großer Zahl vertreten sind. Die Feigen gelangen zum weitaus größeren Theile in
frischem Zustande zum Consnm. Das Dörren derselben wird nur im kleineren Maß-
stabe betrieben. Der Wal lnußbaum findet sich im ganzen Oecupatiousgebiete zerstreut vor.
Seine Früchte sind von mittlerer Größe und werden nicht nur im Lande abgesetzt, sondern
auch in nicht unbedeutenden Quantitäten exportirt. Ähnliches gilt von der edlen Kastanie,
welche in größerer Ausdehnung selbst waldbildend, namentlich in den Bezirken Cazin,
Srebrenica, Bosnisch - Gradiska, Krnpa und Konjica vorkommt. Die Pfirsich- und
Aprikosencultur ist gering, doch beginnt die Bevölkerung der weinbautreibenden
Gebiete der Cultur dieser beiden edlen Obstarten mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das
Gleiche gilt von dem Mandelbaum, welcher nur für die Hereegovina in Betracht
kommt, und bei dessen Ausbreitung namentlich auf die weichschaligen Sorten Gewicht
gelegt wird. In geschützter Lage, namentlich in den Bezirken Mostar, Stolac und Trebinje
gedeiht der Ölbaum, doch ist die Cultur desselben noch wenig verbreitet. Schließlich
ist noch der Granatbanm zu erwähnen, welcher mit Ausnahme der höher gelegenen
Gebiete in der ganzen Hereegovina im halbwilden Zustande anzutreffen ist.
Die Gemüsecultur stand vor der Occupatio» auf einer sehr niedrigen Stufe, jetzt
wird sie jedoch in ziemlich ausgedehntem Maße betrieben und auch feinere Sorten gebaut.
Eine Reihe von Gemüsearten und Varietäten wurde von Soldaten, Colonisten und Beamten-
familien eingeführt. Die Spargel- und Erdbeerzucht hat durch die laudesärarischen
Stationen Eingang gefunden. Auch die Bulgaren, welche als geschickte Gemüsezüchter
bekannt sind und in der Nähe größerer Städte nicht unbedeutende Flächen mit Gemüse
bebauen, haben nicht wenig zur Hebung dieser Cultur beigetragen.
Von der Landesverwaltung wurden in Dervent, Mostar und Laftva Obst- und
Weinbaustationen errichtet, welche für diese Culturzweige dieselbe Aufgabe zu erfüllen
haben, wie die landwirthfchaftlichen Stationen für Ackerbau und Viehzucht. Neben den
Obst- und Weinbaustationen bestehen noch in Travnik, Brezovopolje, Dragaljevae,
Banjalnka, Fojnica, Konjica und Trebinje landesärarische Obstbaumschulen, welche die
Aufgabe haben, für die betreffenden Gebiete sowohl veredelte Obstbäume als auch Wildlinge
und Edelreiser zu produciren und in gleicher Weise wie die Obst- und Weinbaustationen an
die Bevölkerung abzugeben. Überdies befinden sich im Occupationsgebiete 16 Gemeinde- und
Vereinsbaumschulen. DieVermehrnng uud Vertheilung derObstbanmsetzlinge findet nach den
Bestimmungen des vonderLandesregierung festgesetztenLandes-Obstprodnctionsplanesstatt.
In einer Reihe von Bezirken, welche sich für die Seidenraupenzucht eignen,
wnrden behufs Heranzucht von Maulbeersetzlingen auch Maulbeerbaumschulen errichtet.
zurück zum
Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Band 22"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Band 22
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bosnien und Herzegowina
- Band
- 22
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.34 x 22.94 cm
- Seiten
- 536
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch