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Seit dem Jahre 1894 wurde ungefähr eine Million Fische ausgesetzt. In letzterer
Zeit wurde die Anstalt wesentlich vergrößert, so daß das gegenwärtige Bruthaus zur
Aufnahme von zwei Millionen Fischeiern ausreicht. Das zur Speisung desselben erforder-
liche Wasser liefern die Quellen der Bosua unmittelbar nach ihrem Zutagetreten. Die
Äsche befindet sich nicht in Zucht und wird nur für den Verkauf gehalten. Von neu ein-
geführten Edelfischen wird der See-Saibling in größerem Style vermehrt, während die
amerikanische Regenbogen-Forelle, die überhaupt nur zur Vermehrung für Gewässer mit
höherer Temperatur bestimmt ist, in beschränkterem Maßstabe und hauptsächlich wegen
ihrer Beliebtheit als Sportfisch gezogen wird. Versuchsweise werden alljährlich einige
Tausend Rheinlachse in der Anstalt ausgebrütet und in die Narenta eingesetzt. Znr
Unterbringung des gesammten Fischmateriales wurden bisher ein Mutterfischteich, ei»
Speisefischteich, ein großer und ein kleiner Streckfischteich angelegt, und außerdem verfügt
die Anstalt über die erforderliche Anzahl von Aufzuchtsbehältern.
Bergbau und Hüttenwesen.
Mit der Invasion der Türken erlitt die Montan-Jndustrie in Bosnien und der
Hercegovina einen schweren Schlag. Der Edelmetall-Bergbau scheint in dieser Epoche
gänzlich zum Erliegen gekommen zu sein, während die Gewinnung des Salzes und des
Eisens eine gänzliche Unterbrechung nicht erfahren haben dürfte. In Dolnja Tuzla
wurden zur Zeit der Besetzung des Landes durch die österreichisch-ungarischen Truppen
flache Pfannen von etwa 2 Meter Durchmesser mit der aus dem Salzbrunnen gewonnenen
Salzsoole unter Beigabe von etwas Eiweiß behufs deren Klärung gefüllt und durch ein
unter der Pfanne angebrachtes Holzfeuer versotten. Das gewonnene Kochsalz war ziemlich
unrein, bildete aber doch einen wichtigen Handelsartikel.
Die Stücköfen für die bei Vares, Fojniea und Stari Majdan üblich gewesene
Erzeugung des Eisens bestanden aus einem Gerippe von Flechtwerk mit einer Ausfütterung
von Lehm. Die Windzufuhr erfolgte an der unteren Seite vermittelst eines aus zwei
einfach wirkenden Blasbälgen bestehenden Gebläses, dessen Betrieb ein Wasserrad
besorgte. Der Betrieb des Ofens war kein eontinnirlicher, wie dies in den modernen
Hochöfen der Fall ist, sondern es wurde auf die Gewinnung eines Klumpens stark
verunreinigten Eisens hingearbeitet, welcher nach Beendigung des wenige Tage in
Anspruch nehmenden Verfahrens aus dem Ofen herausgebrochen und in kleinere
Stücke zerlegt wurde. Diese wurden sodann in einem Frischfeuer unter einem rasch
arbeitenden Hammer zu langgestreckten gekerbten Stangen ausgeschmiedet, welche noch
in der Mitte dieses Jahrhunderts einen gesuchten Handelsartikel in den Balkan-
ländern bildeten.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Band 22
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bosnien und Herzegowina
- Band
- 22
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.34 x 22.94 cm
- Seiten
- 536
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch