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türkischen Hütten aufbauen konnten. Ans einer wie niedrigen Stufe manche Gewerbe
standen, mag z. B. daraus entnommen werden, daß Bretter vor der Oeenpation nicht mit
Sägen geschnitten, sondern mit Beilen zurecht gehauen wurden; der Hobel war unbekannt.
Der Einfluß der Handwerker, welche die Regierung aus der Monarchie in das
Land rief, hat sich in nahezu allen Gewerben in eelatanter Weise fühlbar gemacht und reich-
lich zur technischen Vervollkommnung der älteren Betriebe, namentlich zur Heranbildung
der jungen, heimischen Generation beigetragen, so daß wir heute von einem kräftig sich
entwickelnden Handwerkerstand in Bosnien sprechen können. In der Stadt, vollends aber auf
dem Lande hat das Handwerk in Bosnien ein Gebiet fruchtbarer und rentabler Wirksamkeit
vor sich. Für die Hebung der gewerblichen Thätigkeit ist aber auch die Gründung von
zahlreichen Handelsschulen (Sarajevo, Mostar, Trebinje, Travuik, Livno, Bihac, Brcka,
Bjelina, Dolnja-Tnzla), für welche alljährlich viele Stipendien vergeben werden, sowie von
zwei Handwerkerschulen (Sarajevo, Mostar) von Bedeutung. Ihr Einfluß wird erst dann,
wenn die heute dort studirende junge Generation herangewachsen sein wird, voll zu
ermessen sein. Was die Handwerkerschulen betrifft, so liegt der sociale Werth dieser Anstalten
vor allem in dem Umstand, daß hier alle Schüler Stipendien genießen, daß also einzig
und allein die Befähigung derselben für Aufnahme und Fortsetzung des Studiums maß-
gebend erscheint. Der Zudrang zu ihnen ist ein außerordentlicher; im Studienjahr
1895/96 wurde die Handwerkerschule in Sarajevo von 92 Schülern besucht. Allmälig ist
auch in Bosnien eine Großindustrie entstanden, die zunächst an den Mineralreichthum,
den Holzüberfluß und den Landwirthschaftsbetr ieb in den oceupirteu Ländern
anknüpfte. Die Montanindustr ie hat schon an anderer Stelle Würdigung gefunden.
Für die industrielle Verwerthung der Holzbestände des Landes sind eine Reihe
von Sägewerken, theils mit Wasser-, theils mit Dampfkraftbetrieben thätig. Von großer
Bedeutung ist die Faßdaubenfabr icat ion in Usora bei Doboj (Morpurgo und
Parente), welche in den Bezirken Tesanj,Katorvaros und Prnjavor circa 2000 einheimische
Arbeiter beschäftigt. In Dervent wieder exportirt eine Stockfabrik eine Viertelmillion
Stöcke jährlich. Die Holzimprägnirnngsanstal t in Bnsovaca liefert imprägnirte
Schwellen für die bosnisch-hercegovinischen Staatsbahnen. Eine der ältesten industriellen
Anlagen des Landes ist die „Papier- und Holzstoff-Fabrik" in Zenica (seit 1889 in
Betrieb). Das Etablissement gliedert sich in die Holzschleiferei und die Papierfabrik. Die
Producte der Papierfabrik werden zumeist von der Landesverwaltung und der Tabakregie
verbraucht, der Rest gelangt zur Ausfuhr nach Indien.
Eine Reihe hervorragender Fabriken hat sich im Laufe der Occupatiousjahre in
Bosnien zur Verwerthung landwirthschaftlicher Producte etablirt. Die älteste Fabrik
Bosniens und zugleich der bedeutendste Betrieb auf diesem Gebiete ist die (1886 gegründete)
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Band 22"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Band 22
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bosnien und Herzegowina
- Band
- 22
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.34 x 22.94 cm
- Seiten
- 536
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch