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Zahlungsmittel. Eswar üblich, Gebrauchsgut gegen Gebrauchsgut zu tauschen („tiampili"),
höchstens die Differenzen wurden in Münzen factisch geleistet. Hauptsächlich fand der
Güteraustausch auf den Märkten, die theils Wochen-, theils Jahrmärkte waren, statt.
Dahin wurden die Überschüsse der Natnrproducte und der gewerblichen Thätigkeit gebracht.
Dahin kamen die Landbewohner und die städtischen Händler (Verlagsmeister). Letztere
setzten hier nicht nur die Producte der Stadt ab, sondern auch Gegenstände, die sie auf den
großen Kaufmannsmessen, wie sie namentlich in Rnmelien (Seres, Usnndzevo u. a.) statt-
fanden, eingehandelt hatten. Darunter waren theils echt orientalische Producte, wie Seiden-
stoffe, Mnsselintücher, Schmuckkästchen aus Sandelholz, chinesische Porzellanschalen, theils
Erzeugnisse der europäischen Massenindustrie: Glasperlen, Kattune, billige Galanterie-
waren, imitirte Goldgespinste u. dgl., die nicht selten ihren Weg über Constantinopel
genommen hatten und gleicherweise als Stambnler Ware („Ltumbulsku rodu") galten.
Bei alledem war der Import nach Bosnien natürlich außerordentlich geringfügig.
Ein Cousularbericht aus dem Jahre 1865 veranschlagt den Werth der Gesammteinfuhr
nach Bosnien und der Hercegovina auf 38 Millionen Groschen — 3,800.000 Gulden.
An der Ausfuhr, welche nach derselben Quelle auf 40 Millionen Groschen oder 4 Millio-
nen Gulden geschätzt wird, waren vor allem alle Gattungen Felle (Steinmarder, Edel-
marder, Fischotter, Wolf, Dachse, Iltis, Bären, Gemsen, Hasen, Lamm, Schaf, Zicklein),
Häute und Lederwaaren, Kupfergeschirr und Eifeuwaareu, besonders Waffen, betheiligt.
Die Angliedernng Bosniens und der Hercegovina an die Monarchie hat vielleicht
auf keinem Gebiete eine so rasche und weitgehende Verschiebung, eine so bedentnngsvolle
Umgestaltung der alten Zustände bewirkt, als auf dem des Handels. Während der Handel
früher nach Süden uud Süd-Osten gravitirte, hat sich hente sein Schwergewicht nach
Norden und Nordwesten verschoben. Der Antheil der Monarchie am Gesammtverkehr
Bosniens und der Hercegovina beträgt heute 97 7 Procent. Eisenbahnen und Landstraßen
haben dem Handelsverkehr nene, früher ganz unzugängliche Landestheile erschlossen nnd
lassen letztere theilnehmen an den Errungenschaften des europäischen Westens.
Anßer der elementaren Voraussetzung für die Entwickelung des Handels, welche in
der Schaffung von Verkehrsadern besteht, haben noch andere Momente zusammengewirkt,
um den Handelsverkehr in den Jahren der Occnpation auf mehr als das Sechsfache des
Werthes gegen früher zu heben. Zu diesen Momenten gehört vor allem die Hebung der
Landwirthschaft und Viehzucht, der Übergang zu intensiverer Betriebsweise auf allen
wirthschaftlichen Thätigkeitszweigen, die Errichtung von fabriksmäßigen Anlagen, welche
die Möglichkeit bieten, die heimischen Producte zu verwerthen, endlich die Zusammen-
fassung nnd Ausgestaltung localer Industrien sowohl in technischer wie in coiiimercieller
Beziehung.
Bosnien nnd Hercegovina. 32
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Band 22
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bosnien und Herzegowina
- Band
- 22
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.34 x 22.94 cm
- Seiten
- 536
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch