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Es sei nur summarisch angeführt, daß in den Jahren 1878 bis 1879 circa 1000 Kilo-
meter Straßen durch die Heeresverwaltung, und zwar zumeist durch die technischen Truppen,
theils reconstrnirt, theils neu gebaut wurden. Im Jahre 1880 übernahm die Civil-
verwaltung sowohl den Neubau, als auch die Erhaltung der Straßen, und es wurde
überhaupt an die Organisation des Bauwesens in Bosnien und der Hercegovina geschritten.
Das früher erwähnte ottomanische Gesetz über die Robotleistung der Bevölkerung
bei Straßenbauten wurde republicirt und die Bevölkerung verhalten, ihrer Robotpflicht
thatsächlich nachzukommen. Auf diese Weise war es möglich, ohne allzugroße Kosten sowohl
die bereits bestehenden Straßen in gutem Zustande zu erhalten, als auch neue in größerem
Umfange zu bauen. Die Straßen wurden in Hauptstraßen mit 5 Meter Breite und
5 Procent Maximalsteigung und in Bezirksstraßen mit 4 Meter Breite und
8 Procent Maximalsteigung eingetheilt; außer diesen gibt es aber noch eine große
Anzahl erhaltener Reit- und Fahrwege. Im Jahre 1895 kamen bereits 2100 Kilometer
Hauptstraßen, 1800 Kilometer Bezirksstraßen, 2400 Kilometer Reit- und Fahrwege
in normale Erhaltung, und heute durchzieht ein reiches Netz prächtiger Straßen das
ganze Land.
Da aber die Bevölkerung die Robotpflicht, besonders die Thierrobot, als drückende
Last empfand und die bereits geschaffenen Verkehrsverhältnisse eine so forcirte Thätigkeit
nicht mehr nothwendig erscheinen ließen, sah sich die Landesverwaltung im Jahre 1892
bestimmt, die Thierrobot gänzlich aufzuheben und die Relnition der persönlichen
Robotpflicht gegen Erlag eines Betrages von 1 fl. 50 kr. per Kopf und Jahr zu gestatten,
eine Verfügung, welche im ganzen Lande mit Freude aufgenommen wurde uud von welcher
in steigendem Umfange Gebrauch gemacht wird.
Wenden wir uns nun dem Gebiete des Eisenbahnwesens zu, so stehen wir einer
Leistung gegenüber, welche jedes patriotisch fühlende Herz mit Freude erfüllen muß.
Gleich nach dem Einmarsch der k. und k. Truppen wurde zum Zwecke der Herstellung
einer geeigneten Nachschublinie mit dem Ban einer Rollbahn von Brod in der
Richtung gegen Zenica begonnen. Dieser Bahn wnrde mit Rücksicht auf ihren
provisorischen Charakter, sowie im Interesse einer leichteren technischen Ausführung nicht
die normale Spurweite gegeben, und man verfiel ans die Spur von 76 Centimeter, weil
dem bauführenden Unternehmer eben eine Partie Rollwagen mit dieser Spur billig und
schnell zur Verfügung stand. Diese Spnr von 76 Centiineter wurde in der Folge für
alle bosnisch-hercegovinischen Bahnen, mit Ausnahme der theilweise aus türkischer Zeit
stammenden Eisenbahn Banjalnka-Doberlin, mit ausgezeichnetem Erfolge beibehalten, ja, es
war überhaupt nur infolge der Anwendung des Schmalspursystemes und mit Hilfe der
vielfachen technischen und ökonomischen Vortheile, welche dieses System bietet, möglich, in
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Band 22"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Band 22
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bosnien und Herzegowina
- Band
- 22
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.34 x 22.94 cm
- Seiten
- 536
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch