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mit der Monarchie verbunden. Die nächste Sorge der Verwaltung mußte nun darauf
gerichtet sein, eine Eisenbahnverbindung nach Mostar und dem Meere, respeetive dem
Narentahafen in Metkovic herzustellen. Diese Eisenbahn bedingte aber die Übersetzung
eines mächtigen Gebirgsrückens, des Ivan-Sattels (967 Meter über dem Meeresspiegel),
und hier wurde — da die natürliche Entwicklung der Bahn zur Paßhöhe infolge der
eigenthümlichen Gebirgsformation ausgeschlossen war — zur Anwendung des combinirten
Adhäsions- und Zahnrad-Systemes geschritten. Wenngleich verschiedene Zahnradsysteme
schon vielfach für Touristenbahnen in den Alpen angewendet waren, so bestand dennoch in
Österreich-Ungarn bis dahin im Zuge einer Eisenbahn keine Zahnradstrecke, welche einen
Massentransport zu bewältigen bestimmt gewesen wäre. Es ist ein Verdienst der bosnisch-
hercegovinischen Verwaltung, in dieser Hinsicht mit gutem Beispiele vorangegangen zu sein.
Am 1. August 1891 wurde die Schlußstrecke, Koujica—Sarajevo, der Bahnlinie
Sarajevo—Metkovic, welche den Ivan-Sattel mit einer Maximalsteigung von 60 Promille
übersetzt, dem Verkehre übergeben und damit eine Bosnien und die Hercegovina von
Norden gegen Süden, von der Save bis zum Meere durchziehende Schienenverbindung
vollendet. In die gleiche Zeitperiode fällt auch der Bau der Flügelbahn von Doboj nach
Dolnja-Tuzla—Siminhan, sowie die vollständige Reconstrnction und Inbetriebsetzung der
normalspurigen Eisenbahn Banjalnka—Doberlin. Außer diesen dem öffentlichen Verkehre
dienenden Bahnlinien wurde eine Anzahl Montan- und Industrie-Bahnen den loealen
Bedürfnissen entsprechend ausgeführt. In den letzten Jahren nahm die bosnisch-heree-
govinische Verwaltung neuerlich eine Hauptlinie des künftigen Eisenbahnnetzes in Angriff,
indem an den Bau einer Schienenverbindung von der Station Lasva der Linie
Sarajevo—Brod in der Richtung gegen Spalato geschritten wurde. Die Theilstrecke
Lasva—Bugojno mit dem Flügel nach Jajce ist bereits dem Verkehr übergeben. Die in
nächster Aussicht steheude Fortführung dieser Strecke bis zur Landesgrenze und die daran
anschließende, in Dalmatien zum Bau gelangende Bahn von der Landesgrenze bis Spalato
werden sodann Bosnien mit einem großen Seehafen verbinden und einen hente wohl
kaum geahnten wirthschaftlichen Aufschwung des Landes zur Folge haben.
Sämmtliche bosnisch-hereegovinischen Schmalspurbahnen sind Eigenthum des Landes
und werden von der Regierung selbst verwaltet. Die normalspnrige Eisenbahn Banjalnka—
Doberlin steht vorerst noch unter der Administration der Heeresverwaltung, dürfte jedoch
in einigen Jahren ebenfalls in die directe Verwaltung des Landes übergehen. Die
2'/- Kilometer lange Fortsetzung der ungarischen Localbahn Vinkovee—Brcka, von der
Station Guuja über die Save nach Breka, ist Eigenthum der Localbahn-Gesellschast
und wird von den ungarischen Staatsbahnen betrieben. Auf den bosnisch-hereegovinischen
Bahnen wurden im Jahre 1894 950.000 Civilreisende und 690.000 Tonnen Frachtgüter
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Band 22"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Band 22
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bosnien und Herzegowina
- Band
- 22
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.34 x 22.94 cm
- Seiten
- 536
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch