Seite - 112 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
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diese Sache ist zu lang und heikel, um sie dem Papier an-
zuvertrauen; sobald Sie wieder Lust fühlen, mich zu be-
suchen, werde ich Ihnen das alles erzählen.
Mit den besten Grüßen
Ihr
Rudolf
Wien, 15. Februar 1885
Lieber Szeps!
Innigsten Dank für Ihren interessanten Brief mit den
Beilagen.
Hier geht es toll zu, doch ich glaube, daß es eine Krise
ist, die möglicherweise zu besseren Zuständen führen kann.
Was Schönerer und seine Leute gegen mich im Sophiensaal
gesagt und getobt haben, nehme ich als Kompliment auf,
denn es ist immer schmeichelhaft, von dergleichen Gesin-
del gehaßt zu werden. Die antipolnische Stimmung dauert
hier in hohen Kreisen und insbesondere am Ballplatz fort;
der Thron und der königliche Baldachin haben ihre Schul-
digkeit getan, dergleichen kleine Schlechtigkeiten wirken
mehr als die gefährlichsten Intriguen; und man ist jetzt
sehr mißtrauisch.
Ich bitte, mir mitzuteilen, ob Sie im Laufe dieser Woche
Zeit haben, mich zu sehen; vor meiner Abreise nach dem
Süden möchte ich Sie sehr gerne sehen und noch über
manches mit Ihnen sprechen.
Wir fahren nach Dalmatien, Griechenland und auch auf
dem Rückwege nach Montenegro ; es können recht interes-
sante Tage werden.
Mit den herzlichsten Grüßen Ihr
Rudolf
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Kronprinz Rudolf
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Titel
- Kronprinz Rudolf
- Untertitel
- Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Autor
- Julius Szeps
- Verlag
- Rikola Verlag
- Ort
- Wien - München - Leipzig
- Datum
- 1922
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.6 x 19.54 cm
- Seiten
- 246
- Schlagwörter
- Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918