Seite - 117 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
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Führer, nach Petersburg, um von der russischen Regierung
eine ausgiebige Subvention für die Anstalt zu erwirken.
Das Gesuch wurde gut aufgenommen und die Regierung
zeigte sich geneigt, die Subvention in Form eines Dar-
lehens von 700.000 Rubel zu bewilligen. Vorsichtshalber
wurde jedoch, ehe der Betrag angewiesen wurde, ein
höherer Beamter des Finanzministeriums Rjäsanoff mit
dem Auftrage nach Lemberg entsendet, die politische
Wirksamkeit der Anstalt zu prüfen und hierüber Bericht
zu erstatten. Rjäsanoff reiste unter der Maske eines Pri-
vatmannes, und zwar eines Agenten russischer Bankhäuser,
von denen zum Scheine jenes Darlehen effektuiert wer-
den sollte. Seine Reiseroute führte über preußisches Ge-
biet Als er vor der Abreise seine Pässe bei dem öster-
reichischen Generalkonsulat in Petersburg zur Vidierung
präsentierte, bedeutete man ihm, daß das Visum des öster-
reichischen Konsuls nicht nötig sei, es werde jenes des
deutschen Konsulats genügen.
Rjäsanoff hielt sich mehrere Tage lang in Lemberg auf,
dann wurde ein Ausweisungsbefehl gegen ihn erlassen, an-
geblich ohne Anführung weiterer Gründe, als daß sein
Paß nicht vidiert und seine Persönlichkeit verdächtig sei.
Kurz nach seiner Rückkehr nach Petersburg kam dahier
die Nachricht von dem Empfang, den die Ruthenendepu-
tation in Sachen der Basilianerklöster in Wien gefunden.
Unter diesem Eindruck wurde Rjäsanoffs Beschwerde
über die Ausweisung zum Anlaß einer etwas spitzig ge-
führten diplomatischen Verhandlung genommen. Das Dar-
lehen von 700.000 Rubel wurde raschestens effektuiert;
die Anweisung ging über Berlin und wurde der rutheni-
schen Kreditanstalt in deutschem Geld, in Gold, ausgezahlt.
Während die für Galizien bestimmten Agitationsgelder
bis jetzt im Budget des Ministeriums des Innern eingestellt
wurden, figuriert die neueste Sendung bereits im Budget
des „Departements für asiatische Angelegenheiten", und
zwar auf Veranlassung Podbjedonoszews, der nach dem
Ausgang der Basilianeraffäre sagte: „Also, wenn die Ru-
thenen Asiaten genannt und wie Asiaten behandelt wer-
den, so wollen wir die für sie bestimmten Gelder^ auch
auf das Konto des asiatischen Departements buchen.
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Kronprinz Rudolf
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Titel
- Kronprinz Rudolf
- Untertitel
- Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Autor
- Julius Szeps
- Verlag
- Rikola Verlag
- Ort
- Wien - München - Leipzig
- Datum
- 1922
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.6 x 19.54 cm
- Seiten
- 246
- Schlagwörter
- Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918