Seite - 145 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
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brillanten Art dargestellt, würde einen großen politischen
Leitartikel geben, doch rate ich Ihnen zu warten, bis der
Fürst in Sofia sitzt, sonst wird vielleicht ein Luftstoß
daraus. Hier herrscht tolles Lagerleben; fast ermüdend
viel Hetz. In einigen Tagen bin ich in Wien, um bald darauf
nach Galizien zu fahren.
Mit herzlichsten Grüßen von uns beiden
Ihr
Rudolf
Alland, 29. September 1886
Lieber Szeps!
Innigsten Dank für Ihren Brief. Ich antwortete so lange
nicht, da ich Szögyény schrieb und ihn bat, mir in Form
eines Briefes seine Ansichten über die äußere Politik mit-
zuteilen; ich stellte ihm eine Reihe von Fragen. Ich wollte
Ihnen dieselben dann mitteilen; bis jetzt erhielt ich noch
kein Schreiben.
Sie sehen, was Deutschland betrifft, zu schwarz. Man
ist dort nur altersschwach; will absolut Krieg vermeiden
und schwankt nach rechts und links; von Freundschaft
zu Rußland ist keine Rede;
Was die Verdächtigungen des „Tagblattes" alsFrankreich
freundlich gesinnt betrifft, werde ich Ihnen einmal Details
darüber geben; ich wurde von deutscher Seite auch in
dieser Richtung ausgeholt. Nach all den Manövern und
allerlei Arbeiten und Hetzen sehnte ich mich nach etwas
Ruhe und sitze jetzt hier im Wienerwalde mit einigen
guten Bekannten in aller Stille und genieße Wald- und
Gebirgsluft und kaufe und verkaufe kleine Güter und Höfe,
um mich da allmählich als Grundbesitzer anzusiedeln; . . .
Mit uns ist hier der deutsche Gesandte im Haag, Baron
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Kronprinz Rudolf
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Titel
- Kronprinz Rudolf
- Untertitel
- Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Autor
- Julius Szeps
- Verlag
- Rikola Verlag
- Ort
- Wien - München - Leipzig
- Datum
- 1922
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.6 x 19.54 cm
- Seiten
- 246
- Schlagwörter
- Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918