Seite - 159 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
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stützen werde, und die Offizierskreise fassen diese Ver-
öffentlichung als eine Art Ultimatum auf, was auch sein
kann. Wer den Zaren Alexander III. kennt, muß die Mög-
lichkeit eines Zornausbruches und eines sinnlosen Drauf-
losgehens dieses Autokraten zugeben.
Gut wäre es, wenn der hiesigen, immer nur zwischen
Gefühlsextremen schwebenden Bevölkerung durch die
Journale Mut gemacht würde.
Ich glaube fest an die Ehrlichkeit Berlins, nicht weil sie
uns gut gesinnt sind, sondern weil sie es müssen.
Sie sind gezwungen, mehr an uns zu halten wie wir an
sie. Falls Sie nach Paris fahren, bitte ich, es mich recht-
zeitig wissen zu lassen, weil ich Sie noch gerne früher
sprechen möchte.
Mit herzlichsten Grüßen
Ihr
Rudolf
Wien, 9. Februar 1888
Lieber Szeps!
Gestern abends waren die Herren vom Ballplatz wieder
ernster gestimmt. Die sogenannt friedliche Rede Bis-
marcks1" scheint denn doch nicht alle Wolken verscheucht
zu haben; in militärischer Beziehung wird von Berlin aus
hier wieder sehr zur raschen Arbeit und Vorbereitung
gedrängt.
Morgen früh reisen wir nach Budapest.
Mit herzlichsten Grüßen
Ihr
Rudolf
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Kronprinz Rudolf
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Titel
- Kronprinz Rudolf
- Untertitel
- Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
- Autor
- Julius Szeps
- Verlag
- Rikola Verlag
- Ort
- Wien - München - Leipzig
- Datum
- 1922
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.6 x 19.54 cm
- Seiten
- 246
- Schlagwörter
- Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918