Seite - 243 - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
Bild der Seite - 243 -
Text der Seite - 243 -
Am 22. April. 243
jetzt noch werden die Anordnungen der Kaiser verachtet, und durch
ein und das nämliche schreckliche Verbrechen die Götter selbst nicht
weniger, als der Kaiser beschimpft? Ist dieß der Erfolg der Mar-
tern, die wir gegen die Christen anwendeten, der Kreuzigung, der
Thicrkämpfe, des Schwertes, des Feuers, und aller strengen Ver-
fügungen, mit denen wir gegen sie auch nach ihrem Tode noch ver-
fahren sind? Wir haben viele dieser Leute vertilgt; nicht einmal
ihre Gräber sind mehr übrig, und doch dauert das Bekenntniß Christi
fort! O ihr Strafbaren, wie getraut ihr euch :n dieser verbotenen
Religion zu verharren? Ihr werdet die gebührende Strafe eueres
Frevels empfangen!" In der Bcsorgniß, daß Alexander durch Worte,
oder durch Winke seinen jungem Freund zur Beharrlichkeit ermuntern
möchte, ließ der Richter jenen wegführen, und redete mit schmeichel-
haften Worten dem Epipodius zu. Er führte ihm seine Jugend zu
Gemüthe; er stellte ihm das Beispiel aller Völker und des Kaisers
selbst vor, welche die Götter verehren; er verglich den Götzendienst,
welcher jede Wollust begünstigte, mit dem Dienste des Gekreuzigten,
welcher alle Freude und jede Sinnenlust versage; er schmeichelte ihm
mit den reizenden und vergänglichen Freuden dieser Welt. Allein
durch dieses Alles ließ sich der heilige Jüngling nicht bethören. Er
antwortete: „Meine Anhänglichkeit an Jesus Christus und an den
katholischen Glauben ist nicht so schwach, daß mein Sinn durch die
Schcingründc deines Mitleidens geändert werden könnte. Deine
Schmeichelei ist Grausamkeit. Mit euch leben, bringt ewigen Tod;
aber durch euch zu Grunde gehen, verschafft wahren Ruhm. Du
sprichst wohl von dem Kreuzcstode unsers ewigen Herrn Jesus Chri-
stus, weist aber nicht, daß er wieder auferstanden ist. Er, der
durch ein unaussprechliches Geheimniß Gott und Mensch zugleich ist,
und seinen Anhängern den Pfad der Unsterblichkeit gebahnt hat, um
sie zum ewigen Leben zu führen. Doch, ich will von niedern Dingen
mit dir reden, weil du die hohen nicht erfassest. Ist dein Sinn so
verblendet, daß du nicht erkennest, der Mensch bestehe aus einem
doppelten Wesen, aus Körper und Geist? Der Körper ist zum Dienste
des Geistes. Die Schandthaten, mit welchen ihr eure Götter ehret,
ergötzen den ^övpcr, todten aber den Geist. Was für ein Leben ist
aber das, durch welches der vorzüglichere Theil benachtheiliget wird?
Wir kämpfen für die Seele gegen den Körper, für sie streiten wir
gegen die Laster. Euer Gott ist der Bauch, und ihr meinet, daß
der Tod bei euch, wie bei den vcrnunftlosen Thieren mit diesem Erden-
lcbcn, welches ihr im Uebermaße der Schwelgcrei hinbringet, alles
vollenden werde; wir aber, die wir durch eucrc Verfolgung hier zu
Grunde gehen, erwarten, da wir das Irdische verlassen, ein ewiges
Leben.«
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 1
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 900
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen