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292 Die heilige Barbara, Jungfrau und Martyrm.
dem sie sich ganz geopfert hatte, wieder zu verlassen. Bald stellte
sie der Vater zur Rede, warum sie gegen seine Anordnung drei Fenster
in dem Badezimmer habe anbringen lassen; und nun erklärte sie ihm
mit unerschrockener Freimüthigkeit, daß sie eine Christin sey, sprach
mit feurigem Eifer von dem beseligenden Glauben der Christen, und
bemühte sich, ihm über die Nichtigkeit der heidnischen Götzen und
über die Thorheit des Götzendienstes die Augen zu öffnen. Als der
verblendete Götzendiener dieses hörte, und seine Götzen verachtet sah,
gcrieth er in grimmige Wuth, und griff nach dem Schwerte, um
seine Tochter mit eigner Hand zu todten. Nur durch die schleunigste
Flucht konnte sie dem tödtlichcn Streiche entgehen, vor dem sie nicht
so fast deßwegen zurückschauderte, weil es ihr Leben galt, als viel-
mehr deßwegen, weil er von dem eigenen Vater geführt werden
wollte. Sie entfloh hinaus auf das Feld, um dort irgendwo einen
sichern Zufluchtsort zu finden. Rasend lief ihr der Vater nach, ver-
lor sie aber aus seinem Auge, und sie verbarg sich in einem Orte,
wo sie sicher zu seyn glaubte. (Eine Geschichte sagt, daß ein gro-
ßes Fclsenstück sich wunderbarer Weise gespalten, und der fliehenden
Jungfrau einen Durchgang, und dadurch die Möglichkeit verschafft
habe, dem Vater zu entkommen, und sich zu verbergen.) In wil-
dem Ungestüme lief Dioskorus in der Gegend umher, bis er endlich
zwei Hirten antraf, deren Einer ihm durch Winke verrieth, wo sich
Barbara verborgen halte.
Der Wüthcrich lief, wie der Wolf auf das wehrlose Lamm,
auf seine Tochter zu, ergriff und mißhandelte sie auf die unbarmher-
zigste Weise, und schleppte sie endlich halb todt mit sich über die
rauhesten Pfade nach Hause. Seine Wuth legte sich nicht, sondern
wurde immer noch heftiger, als er sah, daß' Barbara freudig und
standhaft auf dem christlichen Bekenntnisse beharre. Jetzt klagte er
selbst sie bei dem Richter Martian als eine Christin an, führte sie
gebunden vor dessen Richterstuhl, und bat, daß er keine Marter un-
versucht lasten solle, sie zur Verlaugnung deZ Christenthums, und
zur Rückkehr zum Götzendienste zu bewegen. Martian entsetzte sich
über den Anblick der Spuren der Mißhandlung, welche die zarte
Jungfrau von ihrem Vater erduldet hatte. Er ließ ihr die Bande
abnehmen, und suchte durch liebevolles Zureden sie auf einen andern
Sinn zu bringen. Mit vieler Bcredtsamkcit stellte er ihr vor, die
vornehme Herkunft, das große Ansehen und die Reichthümer ihres
Vaters, welches alles ihr die sicherste Hoffnung der glänzendsten Ver-
sorgung, und c'ies überaus glücklichen Lebens verschaffen würde,
wenn sie nur dccl Glauben der Christen verlassen, und zur Religion
ihrer Väter zurückkehren wolle. Mit g.s^tcm Muthe erklärte sie aber:
sie alles Irdische als hinfällig und vergänglich wenig achte,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 1
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 900
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen