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Am 14. Mai. 431
aus durch Gastfreundlichkeit, Dicnstfertigkeit und durch freigebige
Wohlthätigkeit gegen Nothlcidcnde und Arme. Reisende und Fremd-
linge fanden bei ihm liebevolle Aufnahme und reichliche Verpflegung.
Die Annen und Nothlcidcndcn suchte er auf, und verschaffte ihnen
mit freigebiger Hand Erleichterung.
Viele Jahre schon hatte er in seinen Ausschweifungen, und ins-
besondere in den sündhaften Verhältnissen mit Aglac gelebt, als diese
endlich, durch Gottes Gnade gerührt, den Vorwürfen ihres Gewissens
Gehör gab, in sich ging, und das bisher verübte Unrecht erkannte.
Sie rief den Bonifazius zu sich, erinnerte ihn an den gefährlichen
Seelcnzustand, in welchem sie sich Beide befänden, und zeigte hin
auf die Rechenschaft, welche sie einst vor Gott über ihren bösen
Wandel würden ablegen müssen. Dann fuhr sie fort: „Ich weiß
aus der christlichen Lehre, daß man sich der Gnade des ewigen Rich-
ters versichern könne, wenn man, nebst aufrichtiger Bercuung seiner
Fehler, denjenigen, die um des Namens Jesu willen grausame Mar-
tern leiden, bcistehet, und ihnen Linderung in ihren Peinen verschaffet.
Eben jetzt werden in den Gegenden des Morgenlandes die Anhänger
Jesu heftig verfolgt. Sie leiden die schrecklichsten Qualen. Reise
dort hin, stehe diesen frommen Duldern bei, und bringe, wenn du
kannst, Ucberbleibsel der Heiligen mit dir zurück."
Bonifazius trat unverzüglich die Reise an. Er nahm eine große
Summe Geldes mit sich, nebst vielen kostbaren Gewürzen, welche
zur Einbalsamirung der Leichen der heiligen Märtyrer dienen sollten.
Eine ansehnliche Dienerschaft, nebst zwölf Reitern zur Sicherheit,
begleiteten ihn. Als er von seiner Gebieterin, der Aglae, Abschied
nahm, sagte er: „Meine Gebieterin! Wenn ich mir Leichen der hei-
ligen Märtyrer verschaffen kann, so werde ich sie dir überbringen.
Wenn dir aber meine eigene Leiche überbracht wird, so nimm sie
als die eines Märtyrers auf!" Aglae verwies ihm diese Rede, er-
mähnte ihn sehr nachdrücklich, die Trunkenheit zu vermeiden, und sich
rechtschaffen zu verhalten, damit er seiner wichtigen Sendung würdig
sey. Dann sprach sie: „Gott der Herr, der unsers Heiles wegen
Knechtsgcstalt angenommen, und sein Blut zur Erlösung des Men-
schengeschlechtes vergossen hat, wolle seinen heiligen Engel vor dir
hersenden, nach seiner großen Barmherzigkeit deine Schritte leiten,
mich der gnädigen Vergebung meiner Sünden würdigen, und mein
heißes Verlangen nach den Gütern des Heils befriedigen."
Bonifazius beherzigte die Erinnerung der Aglae. Sein Herz
ward von der Wichtigkeit derselben tief bewegt, und er faßte den
Entschluß, während seiner Reise sich des Weines und jedes uner-
laubten, sinnlichen Genusses gänzlich zu enthalten. Mit zum Himmel
gewandten Augen bethete er: „Herr, allmächtiger Gott, Vater bei-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 1
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 900
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen