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Am 14. Mai. 435
brachen die Heiden wiederholt in das laute Geschrei aus: „Groß
ist der Gott der Christen >' und viele derselben bekehrten sich. —
Die Begleiter des Bonifazius erwarteten diesen in der Herberge,
in die er sie mit den Lastthieren vorangeschickt hatte, und waren
hoch verwundert, als er am Abend daselbst nicht ankam. Des an-
dern Tages suchten sie ihn überall auf. Wie erstaunt mußten sie
demnach seyn, als ihnen Jemand sagte, ein angeschener Mann aus
Rom, der Bonifazius heiße, sey des Glaubens wegen gemartert
worden. Sie wollten nicht glauben, daß es ihr Herr sey. Wohl
hatten sie seit einiger Zeit eine Veränderung an ihm bemerkt; konn-
ten sich aber kaum bereden, daß dieselbe zu dem Muthe eines Mär-
tyrers gediehen seyn solle. Sie gingen auf den Martcrplatz. Da
fanden sie den entseelten Körper im Blute, und das Haupt neben
demselben liegend. Ein unbeschreiblicher Trost erfüllte ihr Herz über
das große Heil, dessen ihr Gebieter gewürdiget worden. Sie be-
reuten jetzt das Mißtrauen, welches sie in die gute Gesinnung des-
selben gesetzt hatten, und unter vielen Thränen riefen sie: „Diener
Christi! Gedenke nicht der sündhaften Reden, die wir gegen dich
geführt haben." Um eine große Summe Geldes kauften sie die Leiche
des heiligen Märtyrers, salbten sie mit köstlichen Gewürzen ein, und
traten mit demselben die Rückreise nach Rom an, Gott preisend für
den Triumph, mit welchem Bonifazius verherrlichet ward.
Durch göttliche Dazwischenkunft hatte Aglae zu Rom die Schick-
sale und den rühmlich vollendeten Kampf ihres Oberverwaltcrs Boni-
fazius erfahren. Auf die heilsamste Weise ward sie dadurch erschüt-
tert, und in dem Entschlüsse zur vollkommensten Bekehrung mächtig
bekräftiget. Mit frommer Ehrerbietung, begleitet von Priestern und
Gläubigen, empfing sie die Reliquien des vollendeten Kämpfers Jesu
Christi, und bewahrte sie auf an einem anständigen Orte, fünf
Meilen von Rom, an der sogenannten lateinischen Strasse, wo Gott
seinen Diener durch viele Wunderzeichen verherrlichte. Sie entsagte
ganz dem irdischen Leben, verkaufte ihre Güter, und theilte das Ver-
mögen an die Armen aus. Ihren Knechten und Mägden schenkte sie
die Freiheit, und einige von den letztern, die fromme Christinnen
waren, behielt sie bei sich. In strenger Buße tilgte sie die Ver-
gehungen ihres vorigen Wandels, und machte durch Frömmigkeit
und wahre christliche Vollkommenheit die gegebenen Aergernisse gut,
bis sie, 13 Jahre nach dem Tode des heiligen Märtyrers Bonifa-
zius, zur ewigen Ruhe hinüberging.
Erbarmung, Gnade, Vergebung der Sünden, ewiges Leben
kommt von dem Vater, kommt durch seinen Sohn Jesum Christum
— für alle, die an Ihn glauben, und Buße thun. „Der Sohn
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 1
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 900
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen