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532 Die Heiligen: Tarachus, Probus und Androiüais :c.
nicht Blut, wcil er daran kein Wohlgefallen hat, sondern ein reines
Hcrz." Der Statthalter rechnete dem Bekcnner diese Rede zur
Gotteslästerung, befahl, daß man ihn auf daö Haupt schlage, da-
mit er von seiner Thorheit abstehe, und klüger werde. Tarachus
duldete willig die Schläge, und sprach: „Nie werde ich meinen Glau-
ben, den du eine Thorheit nennest, verlassen, wcil er mich selig
macht. Verfahre gegen mich, wie es dir beliebt, mein Leib ist in
deiner Gewalt." Auf Befehl des Statthalters rissen ihm die Scher-
gen die Kleider von seinem Leibe, und schlugen ihn mit Ruthen.
Darüber sagte er: „Jetzt machest du mich wahrhaft klug, indem du
mich durch diese Qual stärkest. Ich wünsche in noch größeren Lei-
den zeigen zu können, wie fest ich vertraue auf meinen Gott, und
auf Cdristum. Ich bin 65 Jahre alt, so lange ich lebe, habe ich
dieser Wahrheit gehuldiget." Jetzt wandte sich der Centurio De-
metrius zu Tarachus, und sprach: „Mensch! Schone dich selbst,
und opfere," woraus dieser erwiederte: „Geh mit deinem unzcitigen
Rathe, du Diener der Ungerechtigkeit!"
Nun ließ der Statthalter den unerschüttcrten Bekenncr mit Fes-
seln beladen, in den Kcrker führen, und sich den Probus vorstellen.
Auch diesen fragte er zuerst um seinen Namen, um sein Herkommen,
und um seinen Stand. Probus antwortete: „Mein größter Adel
besteht in dem, daß ich ein Christ bin. Sonst nennt man mich
Probus. Mein Vater war aus Thrazien, ich aber bin in Pamphi-
lien geboren, und von gemeinem Stande." „Der Name Christ wird
dir wenig Vortheil bringen," sprach der Statthalter; «opfere den
Göttern, dafür werden dich die Kaiser ehren, und ich dir meine
Freundschaft schenken. Probus erwiederte: „Ich verlange weder von
den Kaisern geehrt zu seyn, noch deine Freundschaft. Ich habe Be-
sitzungen , die nicht geringe waren, um des einzig wahren Gottes
willen verlassen." Der Statthalter fand sich durch diese Erklärung
beleidiget, ließ den Probus entkleiden, dann an einen Pfahl binden,
und mit Ochsensehnen so gewaltsam schlagen, daß das Blut häusig
zur Erde sioß. Darauf sagte der Centurio Dcmetriüs zu ihm:
„Mensch! Habe doch Erbarmen mit dir selbst. Sieh auf dein
Blut , das um dich herum auf der Erde liegt!" Probus aber er-
wiederte: „Mein Leib ist in cuercr Gewalt. Die Qualen, die ihr
mir anthut, sind mir zur Erquickung." Der Statthalter befahl end-
lich, daß man den christlichen Bekenncr an Händen und Füßen mit
Ketten zusammenbinden, in's Gefängniß werfen, und ihn da ohne
Labsal lassen solle.
Jetzt wurde Andronicus vorgeführt, welcher auf die Frage, wie
er heiße, und von welchem Stande er sey, die Antwort gab: „Ich
scheue mich nicht, hier öffentlich zu bekennen, daß ich ein Christ sey.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 1
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 900
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen