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536 Die Heiligen: Tarachus, Probus und Andronicus :c.
Lichtes berauben werdest." Ganz entstellt, und verwundet an allen
Theilen seines Körpers, behielt der starke Bekenner die größte Hei-
terkeit seines Geistes. „Mein Geist," sprach er, „ist immer gleich
kräftig in mir. Ich werde nicht aufhören, laut zu bekennen mei-
nen Gott, der mich stärket." Auch er wurde vcrurtheilt, von
den wilden Thieren zerrissen zu werden, und ins Gefängniß zurück-
geführt.
Nicht weniger, als seine Vorgänger hatte Andronicus zu leiden;
er blieb aber auch an ausdauerndem Muthe hinter jenen nicht zu-
rück. Voll Begeisterung sprach er für die Ehre des einzig wahren
Gottes, und dessen gebenedeiten Sohnes Jesus Christus, als der
Statthalter gegen sie herabwürdigende Ausdrücke sich erlaubte. Auch
dießmal wollte Marimus den Bckenner täuschen, durch das lügen-
hafte Vorgeben, daß Tarachus und Probus, von den Martern be-
siegt , den Götzen endlich geopfert hätten. Allein oie Täuschung
schlug fehl. Der erbitterte Statthalter ließ ihn nun entkleiden, auf
den Rücken niederwerfen, und auf seinem Bauche zusammengerollte
Papiere verbrennen; darauf glühende Eisen zwischen seine Finger
legen, und ihm, wider seinen Willen, Opferwein und Opfersicisch in
den Mund thun, dann mit Eisen ihm die Zähne ausbrechen, und
die Zunge aus dem Munde schneiden. Die Zunge wurde verbrannt,
damit sie nicht den Christen als ehrwürdiges Ueberbleibsel überlassen
werde. Endlich wurde er, nachdem auch über ihn das nämliche Ur-
theil, wie über seine beiden Mitkämpfer ausgesprochen war, in's Ge-
fängniß zurückgebracht.
Am nämlichen Tage noch gab der Statthalter Befehl, daß auf
den nächsten Tag öffentliche Thierkämpfe veranstaltet werden sollten.
Der Befehl ward vollzogen. Eine große Menge Männer und Wei-
ber liefen dem Amphitheater zu, welches tausend Schritte von der
Stadt entfernt war. Der Ort war von Menschen angefüllt. Der
Statthalter erschien, und das grausame Schauspiel nahm seinen An-
fang. Viele von den heidnischen Fechtern lagen schon getödtet durch
die Wuth der Thiere und halb zerfressen auf dem Kampfplatze da,
als Maximus den Soldaten Befehl gab, den Tarachus, den Probus
und den Andronicus herbeizubringcn. Die Märtyrer waren der Miß-
handlung wegen, die sie am vorigen Tage erduldet hatten, nicht im
Stande, zu gehen, sie mußten deßwegen dahin getragen werden.
Die nä'chststehenden Menschen wurden von den Soldaten gezwungen,
dieses zu thun. Mehrere Gläubige hielten sich verborgen auf einer,
unfern des Amphitheaters gelegenen Anhöhe, von welcher sie in ban:
ger Sorge, und unter Vergießung häusiger Thränen dem traurigen
Auftritte zusahen. Die christlichen Bckenncr wurden auf den Kämpft
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 1
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 900
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen