Seite - 550 - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
Bild der Seite - 550 -
Text der Seite - 550 -
250 De
sungcn, untcr dcncn auch die war, daß er die Würde des obersten
Götzenpriestcrs erhalten solle. Darüber lachte Theodor, und sprach:
„ In meinen Augen sind die Götzenpricstcr erbärmliche Menschen, die
ich von Herzen bedaure ihres thörichten Dienstes wegen. Machet
mir demnach keine Verheißungen, die so verderblich sind. Bedenket,
daß das, was ihr versprechet, das größte Uebel für mich wäre. Wer
einmal den Weg wahrer Tugend betreten hat, will lieber in dem
Hause des Herrn der Letzte, als in der Wohnung der Gottlosen der
Erste seyn. Eine solche Freimüthigkeit war den Richtern zu uner-
wartet, als daß sie ihre scheinbare Freundlichkeit länger hätten be,
halten können. Ihre Erbitterung brach in ungezäumte Wuth aus,
in welcher sie den christlichen Helden an einen nahe stehenden Pfahl
festbinden, und seinen Körper bis auf das Gebein zerreißen ließen.
Allein die Qual vermochte nicht den Bekenncr zu erschüttern, sondern
schien vielmehr den Muth desselben zu erhöhen. In lautem Gesänge
ertönten aus seinem Munde die Worte des Psalmisten: „Immer-
fort werde ich den Herrn preisen, und ohne Aufhören sein Lob ver-
kündigen." Je schmerzlicher sein Leib gcpeinigct wurde, desto lauter
frohlockte sein Geist. Endlich wurde er in's Gefängniß gebracht, in
welchem Gott seinen standhaften Dulder auf wundervolle Weise ver-
herrlichte. In der Nacht wurde ein vielstimmiger Lobgesang gehört,
und der Kerker, wie mit Fackeln erleuchtet, gesehen. Der Gefangen-
wächter ward darüber sehr betroffen^ eilte in den Kerker, fand aber
Niemanden da, als den Theodor auf seinem Lager, und die andern
Gefangenen, welche schliefen. Den Richtern konnte nun kein Zwei-
fel mehr übrig bleiben, daß all' ihr Bemühen, den christlichen Hel-
den zu besiegen, fruchtlos seyn werde. Sie sprachen daher das Ur-
theil aus, daß er verbrannt werden solle. Es wurde vollzogen im
Jahre 306.
Scl,on um die Mitte des vierten Jahrhunderts war die Ver-
ehrung des heiligen Märtyrers Theodor allgemein. In Pontuü wurde
er als vorzüglicher Landespatron verehrt, und seine jährliche Gedächt-
niß mit großer Feierlichkeit begangen. Der heilige Gregor von Niffa
(er starb 396) sagt: „Man eilet haufenweise von allen Orten her
zu dieser festlichen Feier." Der Fürbitte dieses heiligen Märtyrers
schreibt der heilige Vater es zu, daß die barbarischen Scythen, welche
einen Einfall ins Land versuchten, überwunden und zurückgetrieben
wurden, sowie er auch versichert, daß Gott durch manche andere
Wunderwerke denselben verherrlichet habe. Er legt ihm den ausge-
zeichneten Titt l : „der große Märtyrer" bei. Zu Ehren des heiligen
Theodor ward frühe schon eine Kirche in Constantinopcl, und eine
Kapelle zu Jerusalem'erbaut. Auch unweit Damascus war eine Kirche
auf den Namen desselben eingeweiht, in welcher sich eine Statue bc-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 1
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 900
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen