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Am 22. Dktob^-. 561
Gefängniß abführen. Auf dem Wege dahin wurde der Bischof
von muthwilligen Menschen durch Fauststöße mehreremale auf den
Boden geworfen. Auch bei dieser Mißhandlung blieb der edle Greis
heitern Muthes, richtete sich immer wieder auf, ohne nur den mindesten
Unwillen merken, oder die leiseste Klage über empfundene Schmerzen
hören zu lassen. Dieses Betragen versetzte alle, die es sahen, in die
ehrerbietigste Verwunderung. -—
Unter Psalmgesang traten die heiligen Bekcnner in das Ge-
fängniß hinein. Nach wenigen Tagen milderte Gottes liebevolle
Vorsehung die Beschwerden der Gefangenschaft. Sie wurden in das
nahe gelegene Haus eines gewissen Pankratus gebracht, und von
diesem nicht als Gefangene, sondern als Gaste behandelt. Zahlreich
versammelten sich da die Gläubigen um ihren heiligen Bischof, und
empfingen von ihm von dem frühen Morgen bis in die späte Nacht
Belehrung, Aufmunterung und Trost. Sobald aber die Ungläubi-
gen dieses bemerkten, mußte Philippus mit Hermes in's Gefängniß
wieder zurückgebracht werden. Aber auch da fanden die Christen ei-
nen geheimen Weg, zu ihrem geliebten Oberhirtcn zu kommen. Der
fromme Greis ward so hoch geehrt, daß man vielfältig sogar seine
Fußstapfen küßte.
An die Stelle des Bassus kam als Statthalter nach Heraklea
ein Mann, der eben so grausam, als gottlos war. Bald
nach seiner Ankunft ward ihm der Bischof Philippus vorgestellt, dem
er die kaiserlichen Befehle vorhielt, und mit den fürchterlichsten Mar-
tern drohte, wenn er dieselben zu befolgen sich weigern würde. Der
Bischof erwiederte: „Du kannst mich peimgen lassen; aber besiegen
wirst du mich nicht. Niemand wird es von mir erzwingen, daß ich
den Götzen opfere." Iustinus ließ den heiligen Greisen auf den
Boden werfen, die Füße desselben zusammenbinden, und so ihn durch
die Straßen schleifen. Gott preisend duldete Philippus die be-
schimpfende Qual. Sein Körper, besonders das Haupt, ward stark
gequetscht, und verwundet auf des Pflasters harten Steinen, die vom
Blute gefärbt wurden. Endlich wurde er von den Brüdern in's
Gefängniß getragen. Lange schon hatten die Ungläubigen den Prie-
ster Severus aufzuspüren sich bemüht, ihn aber nicht gefunden. Jetzt
trat er selbst aus seinem Aufenthaltsorte hervor, angetrieben von
dem Geiste Gottes, für Jesus Christus mit seinem Blute zu zeugen.
Er wurde vor das Gericht des Iustinus gestellt, der ihm sehr nach-
drücklich zuredete, daß er sich durch das Beispiel des Bischofs nicht
irre führen lassen, seines Lebens schonen, und den Göttern opfern
solle. „Ich werde," erwiederte Scverus, „an der Lehre, dic ich
empfangen habe, festhalten, und nimmermehr den verlassen, den ich
als meinen Gott verehre." Vor dem bloßen Worte „Götzenopfcr"
Erster Band. 36
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 1
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 900
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen