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Am 4. Mai und am 28. August. 795
Eltern der Monika sehr hoch geschätzt; ja ihr warb von chnen die
Erziehung der Töchter anvertraut. Die Magd erfüllte diese Pflicht
mit Liebe, und mit gewissenhafter Gottesfurcht, gab den Madchen
Unterricht, und hielt sie an zu guter Ordnung, so, daß sie zum
Beispiele, außer den maßigen Mahlzeiten nicht essen, ja auch nicht
Wasser trinken durften. Sie sagte: „Jetzt wollt ihr Wasser trinken;
seyd ihr einst verheirathet und schaltet über den Keller, so werdet
ihr des Wassers nicht achten, und die Gewohnheit des unzeitigen
Trinkens würde euch bleiben, wenn ihr den Gelüsten jetzt nachgäbet."
Was verboten ist, hat mehr Reiz für die verderbte Natur schon in
Kindern. Die kleine Monika war gewöhnlich von ihren Eltern mit
einer Magd in den Keller geschickt, um den Wein des täglichen Be-
darfs aus dem Fasse zu zapfen. Sie kostete den Wein, anfangs
aber mehr aus kindischem Muthwillcn, als aus Geschmack. Aber
nach und nach trank sie doch mehr, und mit großem Vergnügen.
Einmal, als sie mit eben dieser Magd in Wortstrcit gcrieth, warf
ihr diese ihre Lust zum Wein vor, und nannte sie eine Säufcrin.
Dieser Vorwurf schmerzte tief die zarte Seele des Kindes. Sie legte
von Stunde an den Fehler ab.
Als Monika erwachsen war, wurde sie von ihren Eltern an
Patricius, einen Rathsherrn von Tagaste, verheirathet. Dieser war
ein Mann von wohlwollendem Herzen, aber sehr zum Zorne geneigt,
und ein Heide. Sie betrug sich gegen den heidnischen Ehemann,
wie es einer christlichen Ehefrau geziemte, sanft, gefällig und gehör?
sam. Er verletzte öffentlich die ehliche Treue, sie aber ertrug es
mit Geduld. Brausete er auf in seiner Heftigkeit, so schwieg sie;
war er aber zu sich selbst gekommen, so gab sie ihm Rechenschaft
von ihrem Thun mit Freundlichkeit. Er erkannte dann sein Unrecht,
und ehrte und liebte sie je mehr und mehr. Es geschah manchmal,
daß andere Weiber, deren Ehmänner nicht so heftiger Gemüthsart
waren, wie Patricius, sich dennoch über üble Behandlung von ih-
nen beklagten, wohl auch Spuren der erlittenen Mißhandlungen im
Gesichte trugen, und die Ursachen davon den Ausschweifungen ihrer
Manner zuschrieben. Diesen pflegte Monika zu sagen, daß sie nur
ihrer losen Zunge solche Mißhandlungen zu verdanken hätten, und
ermähnte sie dann zur Sanftmuth, und zum chrerbicthigen Betragen
gegen ihre Ehemänner, und diejenigen, welche ihrem Rache folgten,
befanden sich sehr wohl dabei.
Als Monika in das Haus ihres Mannes gekommen war, ließ
sich bald die bei ihrem Sohne wohnende Mutter durch Geschwätz
der Mägde gegen sie einnehmen. Aber Monika, die junge Frau,
wandelte tadellos, und überaus tugendhaft; sie betrug sich sanft,
und erzeigte, wie ihrem Manne, so auch der Schwiegermutter alle
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 1
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 1
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 900
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen