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Am 12. November. 133
dem Kalliopas, und ließ sich, nach dem Vorbilde des göttlichen Hei-
landes, binden, ohne ein Wort zu sprechen. Als man ihm meldete,
daß er in den Palast des Kalliopas würde gebracht werden, bat er,
daß einige von seinen Geistlichen ihn begleiten dürsten. Da es ohne
Anstand bewilliget wurde, riefen alle anwesenden Bischöfe aus: „Wir
Alle wollen bei ihm seyn! Wir Alle wollen bei ihm leben und ster-
ben!" Die Nacht brachte Martinus im Palaste des Exarchen zu,
und auch den darauf folgenden Tag, an welchem er von der ge-
sammten Geistlichkeit der römischen Kirche besucht wurde. Einige,
welche nach Constantinopel ihn zu begleiten sich entschlossen hatten,
durften auch in der zweiten Nacht im Palaste bleiben. Sie hatten,
was zur Reise erforderlich war, bei sich, und einiges Gerathe schon
auf das Schiff bringen lassen. Bevor es noch Tag war, wurde
Martinus heimlich aus dem Palaste auf ein auf der Tiber schon
scgelsertig liegendes Schiff gebracht. Er durfte nur sechs Personen,
und ein Trinkgeschirr mit sich nehmen. Die Thore der Stadt wur-
den gesperrt, damit Niemand ihm nachfolgen könnte, denn alle Prie-
ster und die Gläubigen wollten ihren hochverehrten Hirten begleiten.
Am ersten Juli kam der heilige Vater mit seiner Begleitung zu Mi-
scnium an; von da wurden sie nach Calabricn, und an verschiedene
Inseln geführt, wo sie drei Monate aufgehalten wurden. Während
der ganzen Zeit wurde der Papst als ein Gefangener behandelt.
Nie erlaubte man ihm, an's Land zu steigen, ungeachtet er durch
seine eigene Krankheit und durch die Seekrankheit so elend geworden
war, daß er an allen Speisen Eckel hatte. Dazu kamen die mar-
ternden Schmerzen des Podagra, und ein Durchfall, der ihm weder
bei Tag noch bei Nacht Ruhe ließ. Zur Unterhaltung seines elen-
den Lebens hatte er nichts, als die gewöhnliche grobe Kost der
Matrosen. Aus verschiedenen Städten kamen die Geistlichen und die
Gläubigen zu ihm auf das Schiff, ihn zu besuchen, zu trösten, und
an seiner hohen Geduld sich zu erbauen. Endlich kam das Schiff
auf die Insel Narus, wo Martinus zwar die Erlaubniß erhielt,
dasselbe zu verlassen, und ein Privaihaus zu beziehen, aber ein vol-
les Jahr als Gefangener behandelt, und auf mancherlei Weise hart
gequält wurde. Am 17. September des Jahres 654 langte er
endlich des Morgens frühe in dem Hafen von Constantinopel an.
Einen ganzen Tag mußte er auf dem Verdecke des Schiffes bleiben,
und auf einem schlechten Bette liegend, den höhnenden Muthwillcn
eines frechen Pöbels erdulden, den man beredet hatte, daß er ein
Feind des Staates wäre. Gegen Abend kam der Schreiber Sago-
leva mit einer starken Wache, und führte ihn von dem Schiffe in
ein Gefängniß, welches Prandearia hieß. Da mußte er drei Mo-
nate schmachten, ohne daß es ihm vergönnt worden wäre, mit einem
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen