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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
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134 Der heilige Martinus, Papst und Märtyrer. Menschen zu sprechen. Am 19. Dezember 654, der ein Feiertag war, brachte man ihn in das Haus des Schatzmeisters Bokoleon, eines ungerechten, vom Hofe bestochenen Mannes, bei welchem sich der ganze Rath, zufolge des am Abende vorhcr erhaltenen Befehls, versammelt hatte. Von den zwanzig Zeugen, welche man auftreten ließ, wurden nur zwei abgehört, und von dem Papste so vollkom: men widerlegt, daß die Richter, die schon zum voraus entschlossen waren, ihn zu verdammen, die Schande, auch die andern zu verneh- men , sich ersparen wollten. Bei dem Verhöre wurde der Diener Gottes auf die unwürdigste Weise behandelt. Der Schatzmeister be: fahl ihm aufzustehen, und als ihm Jemand bemerkte, daß er wegen Krankheit und wegen der auf der Reise ausgestandenen Leiden zu stehen nicht vermögend sey, gcrieth er in Wuth, indem er scincn unmenschlichen Befehl wiederholte. Der Papst richtete, so gut er's konnte, sich auf, antwortete aber kein Wort auf die Beschuldigungen und Drohungen des rasenden Bukoleon. Er wollte lieber schweigen, wie Jesus, als sich vertheidigen vor Richtern, die seinen Untergang schon beschlossen hatten. Die einzige Anklage einer Verschwörung gegen den Kaiser widerlegte er des Volkes wegen. Als er bemerkte, daß die gedungenen Zeugen bereit seyen, auf das Evangelium zu schwören, bat er dringend die Vornehmsten des Rathes, daß sie diese Leute nicht schwören lassen sollten: „Sie können," sprach er, „das, was sie sagen wollen, ohne Eid aussprechcn, und ihr könnet machen, was ihr wollet. Was ist es nothwendig, daß sie ihre See- len durch falsche Eidschwürc verlieren? Ich beschwöre euch im Na- men Gottes, thut bald, was ihr über mich beschlossen habet. Denn Gott weiß es, daß ihr mir eine große Wohlthat erweiset." Ueber diese Rede stand der Schatzmeister hastig von seinem Sitze auf, und ging in den Palast, dem Kaiser Bericht zu erstatten. Mittlerweile wurde der Papst in den Hof des Palastes geführt, und der Ver- höhnung des niedersten Pöbels ausgesetzt. Darauf brachte man ihn auf einen erhobenen Platz, wo der ganze Rath versammelt war, und wo ihn auch der Kaiser durch die Gitterfenster seines Zimmers sehen konnte. Da sprach der Schatzmeister zu ihm: „Sieh! Gott hat dich in unsere Hände gegeben, weil du verräthcrisch wider den Kaiser gehandelt hast. Du hast Gott, und deßwegen hat Gott dich verlassen!" Alsbald ließ der Unmensch ihm das Pallium und die priesterliche Stole vor aller Augen wegreißen, und übergab ihn in die Hände des Statthalters von Constantinopel, zu dem er sagte, er solle ihn augenblicklich in Stücke zerhauen lassen. Den Anwesen- den befahl er, den Papst zu verfluchen. Allein es fanden sich nur wenige, die es thaten, Alle anderen schlugen die Augen nieder, und begaben sich bestürzt und traurig davon, denn die hohe Geduld und
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Titel
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Untertitel
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
Band
2
Autor
Anton Mätzler
Verlag
Landshut Verlag
Ort
Wien
Datum
1840
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
9.8 x 16.9 cm
Seiten
982
Schlagwörter
Kirche, Gott, Glaube, Religion
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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