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150 Der heilige Iodokus, Priester und Eremit.
düng, und aus Ehrfurcht gegen die klösterlichen Einrichtungen über-
haupt wurden, unzählige und große Vergebungen an Geld, an Gü-
tern und an Gerechtsamen an die Klöster gemacht, so, daß viele
derselben großen Reichthum, und durch dieselben cincn großen Ein:
fluß in die weltlichen Angelegenheiten erlangten, der aber ihrem ei-
genthümlichen Zwecke keineswegs förderlich war. Selbst Könige und
königliche Prinzen zogen das klösterliche Leben und die Stille der
Einsamkeit dem Glänze des Thrones vor. Ein Beispiel haben wir
an Iudicacl und Iodokus.
Von Iudicael geschieht in der Geschichte des heiligen Eligius
Meldung. Bald darauf, als er den Vertrag mit dem Könige Da-
gobert geschlossen hatte, entsagte er der Regierung von Klcinbritan-
nicn, zog sich von den weltlichen Angelegenheiten ganz zurück, begab
sich in ein Kloster, das er selbst gestiftet haben soll, und vollendete
da im Rufe hoher Gottseligkeit sein Leben. Er wird in der galli-
kanischcn Kirche in der Zahl der Heiligen verehrt, und seine jährliche
Gcdächtnißfeier am 16. Dezember begangen. Iudicael hatte einen
Bruder, der Iodokus hieß. Diesem wollte er die Regierung von
Kleinbritannien übergeben. Allein Iodokus hatte in seinem Herzen
bereits auch schon allen irdischen Bestrebungen und Hoffnungen ent-
sagt. Er gab indessen dem Bruder nicht geradezu eine abschlägige
Antwort, sondern bat sich eine achttägige Bedenkzeit aus. Wahrend
derselben lag er in dem Kloster Lommailnon, in welchem er seine
wissenschaftliche Bildung erhalten hatte, mit großem Eifer dem Ge-
bethe ob, von Gott Erleuchtung über seine künftige Lebensbestim-
mung zu erstehen. Als er eines Tages bei der Pforte des Klosters
stand, sah er eilf Pilgrime vorüberziehen, von denen er erfuhr, daß
sie nach Rom reiscten. Getrieben von einer innerlichen Eingebung,
schloß er sich unvenveilt dem Zuge an, ohne etwas anderes, als den
Rcisestab mit sich zu nehmen. Die Reisenden kamen nach Paris,
hielten sich da einige Tage auf, und setzten dann ihre Reise wieder
fort. In der kleinen Landschaft Ponthicu in der Picardie wurden
sie von dem Herzoge Haimo sehr gut aufgenommen, und durch drei
Tage gastfreundlich bewirthet. Der Herzog wurde für Iodokus,
wegen der Wohlgestalt, und noch mehr wegen der edlen Gemüths-
art desselben sehr eingenommen. Er beredete ihn, von der Reise
nach Rom abzustehen, und bei ihm zu bleiben. Bald darauf em-
pfing Iodokus die Priesterweihe, und blieb sieben Jahre lang bei
Hajmo, an dessen Hofe er als ein herrliches Vorbild der reinsten
Gottesfurcht und eines ganz untadelhaften Wandels leuchtete, allge-
meine Verehrung genoß, und großen Segen stiftete. Weil aber die
Ehrenbezeugungen, die ihm erwiesen wurden, seinem demüthigen
Sinne sehr beschwerlich waren, nährte er in sich fortwährend das
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen