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Der heilige Arbogast, Bischof.
(Am 21. Juli.)
Der bischöfliche Sitz zu Straßburg, der Hauptstadt im Elsaß,
gehört unter die ältesten in Teutschland. Er wurde von dem austra-
fischen Könige Dagobert gestiftet, und mit reichlichen Einkünften be-
gabt. In dem Verzeichnisse der Bischöfe von Straßburg kommt
der heilige Amandus als der erste vor. Als der zweite wird von
Einigen Roditharius, von Andern Arbogastus angegeben. Jene nen-
ucn den Arbogastus den dritten. Das Vaterland des heiligen Ar-
bogastus läßt sich mit Zuverlässigkeit eben so wenig angeben, als die
Zeit seiner Geburt und der Name und der Stand seiner Eltern.
Nach Einigen soll er ein Schottländer, nach Andern ein Irländcr
gewesen seyn. Noch Andere machen es wahrscheinlich, daß er in
Aquitanicn geboren sey. Seine Iugcndgeschichte ist ganz unbekannt.
Schon erwachsen kam er, als Fremdling, um das Jahr 630 in das
Elsaß, erbaute in der Gegend, wo jctzt Hagcnau ist, in einem dich-
ten Walde eine Zelle und ein kleines Bethhaus, und lebte da als
Einsiedler. Sehr eifrig lag er dem Gebethe und der geistlichen Be-
trachtung ob, nicht bloß bei Tag, sondern auch viele Stunden der
Nacht. Er trug ein rauhes Bußgcwand, genoß die geringsten Spei-
sen, und fastete sehr strenge. Erglüht von heiliger Liebe trat er oft
aus seiner Einöde hervor, und ertheilt? dem umliegenden Landuolke
christlichen Unterricht. Der Ruf davon, sowie von der Gottseligkeit
des Knechtes Gottes verbreitete sich weit umher, und kam auch zu
den Ohren des Königs Dagobert. Unzählige Menschen strömten zu
der einsamen Zelle, den frommen Bewohner derselben zu sehen, ihn
zu bewundern, von ihm Trost und Hilfe zu erlangen. Der König
bemühte sich, ihn an seinen Hof zu ziehen; der demüthige Mann
war aber nicht zu bewegen, seine Einsamkeit zu verlassen; viel-
mehr zog er sich noch tiefer in dieselbe zurück, damit er der zu-
dringlichen Bewunderung und den Lobeserhebungen der Menschen
sich entziehe.
Wenn wahr ist, was einige Geschichtschreiber angeben, daß
nämlich der heilige Arbogast nach Rhatien, in das heutige Vorarl-
berg, gekommen sey, und da einige Zeit gelebt habe, so muß es um
diese Zeit geschehen seyn. Es steht heut zu Tage noch in der von
dcm vorarlbergischcn Städtlein Feldkirch zwei Stunden entlegenen
Pfarrei Gö'tzis eine Kapelle, unter dem Namen des heiligen Arboga-
stus. Bei derselben befindet sich ein Stein mit einer tiefen EinHöh-
lung, die eine wunderbar gebliebene Spur von den Knieen des Hei-
ligen seyn soll. Es geschehen zahlreiche Wallfahrten dahin, und
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen