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162 Det heilige Leodegor, Bischof und Martyrcr.
Grafen Varingus übergeben, damit er ihn verwahre. Varingus
ehrte den Bischof als cincn Märtyrer, licß ihn in das Kloster Fe<
kamp bringen, und ihn da sehr gut verpflegen. Seine Wunden
wurden geheilt, und ungeachtet ihm die Zunge mangelte, konnte er
reden, was allgemein für ein Wunder gehalten wurde. Zwei Jahre
blieb cr zu Fekamp, unterrichtete da die Klosterfrauen im göttlichen
Worte, feierte alle Sonntage das hochheilige Opfer, und lag außer<
dem beständig dem Gebethe ob.
Durch so vicle Martern, die Lcodcgar schon erduldet hatte, war
Ebroins rachsüchtiges Herz noch nicht befriedigt. Er mißgönnte dem
standhaften Diener die Ruhe, die cr in Fekamp genoß, und ward
mehr, als je zuvor, bewegt durch den Ruf der Gottseligkeit, der
von dem heiligen Manne sich allenthalben verbreitete. Ebroin licß
ihn wieder an den Hof bringen, damit cr von den Bischöfen, die er
allda versammelt hatte, abgesetzt würde. Als Leodcgar der Versamm-
lung vorgestellt wurde, brachte man die alte Beschuldigung von der
Ermordung des Königs Childcrich vor. Er aber bezeugte feierlich
und bei Gott, daß cr an jenem Morde schludlos sey. Da wurde
ihm, ohne eine weitere Klage anzubringen, oder seine Verantwortung
zu hören, sein Gewand von oben bis unten zerrissen, zum Zeichen
der Entsetzung vom bischöflichen Amte, und cr dcm Burggrafen Chro-
debcrt übergeben mit dem Befehle, daß er getödtet werde. Da:
mit aber der gottselige Bischof nicht als Märtyrer nach seinem Tode
verehrt werde, trug Ebroin dcm Burggrafen auf, daß er in einem
Walde, an einem unzugänglichen Orte eine Grube aufsuchen, den
Bischof hineinwerfen, und die Grube verschütten lassen solle. Chro-
debcrt hatte den Muth nicht, den Diener Gottes, durch dessen fromme
Ermahnungen er sich tief gerührt fühlte, selbst, wie es ihm aufge:
tragen war, zum Tode zu führen. Vier seiner Diener mußten Eb-
roins grausamen Befehl vollziehen. Sie führten ihn hinaus in ei-
nen Wald, und als sie keine Grube fandm, ward von einem dersel-
ben dem Leodegar, der bethend auf dem Boden knieete, der Kopf
abgeschlagen im Jahre 678. Der Leichnam des heiligen Märtyrers
wurde durch die Sorge der Gemahlin des Burggrafen Chrodcbert
ehrenvoll beerdigt, und später in das Kloster zum heiligen Maxen-
tius übersetzt.
Die Mutter des heiligen Leodegars hieß Sigraga. Sie lebte
noch, als er seiner Augen beraubt ward, in einem Kloster, in das
sie sich hatte flüchten müssen. In diesem Zustande sandte cr ihr ei-
nen Trostbricf, der eines Bischofes und Märtyrers würdig ist, denn
er predigt Liebe der Feinde, und stille seyn. Hier soll aus demsel-
ben nur eine Stelle stehen: -,Was ist doch Edleres, als seine Feinde
lieben? Was macht uns mehr zu Gottes Kindern, als seine Liebe,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen