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164 Der heilige Kilian, Bischof und Märtyrer.
kehrung der Ungläubigen zu widmen, und deßwegen an keinen be-
stimmten Ort sich binden lassen wollte.
Am Ende des Jahre 684, oder am Anfange des Jahres 685
kam Kilian, begleitet von zweien seiner Schüler, dem Priester Colo-
mannus, und dem Diakon Totnanus nach Ostfrai'ken in die Stadt
Würzburg. Die schöne Gegend gefiel ihm, und die gute Gemüths-
art der Bewohner derselben ließ ihn die reichlichsten Früchte aus der
Verkündigung des Evangeliums hoffen. Er faßte daher den Ent-
schluß , hier sein apostolisches Tagwerk zu verrichten. Doch wollte
cr ehcvor noch die Guthcißung des allgemeinen kirchlichen Oberhaup-
tes, und dessen apostolischen Segen erhalten. Er reiste deßhalb mit
seinen Gefährten gegen das Ende des Jahres 686 nach Rom, wo
er von dem Papste Canon sehr gütig aufgenommen wurde. Gerne
ertheilte Canon den für die Ehre des Reiches Gottes erglühten Män-
nern die Einwilligung, den Franken das Evangelium zu verkündigen,
ermunterte sie zur Standhaftigkeit, und bekräftigte sie durch seinen
Segen. Darauf kehrte Kilian mit seinen Gefährten nach Franken
wieder zurück. In kurzer Zeit hatte cr die fränkische Sprache er-
lernt, und nun fing er an zu verkündigen die frohe Botschaft vom
Reiche Gottes, durch den Sohn Gottes^Icsum Chrstum, der da ist
der Weg, die Wahrheit und das Leben. Der Saame des heiligen
Wortes fand gute Aufnahme in den Herzen der Abgötterer, die zahl-
reich sich bekehrten. Das Land wurde beherrscht von einem Herzoge,
der Goßbert hieß. Auch dieser wollte die neue Lehre hören, und
berief deßhalb den Kilian zu sich. Gott gab den Worten des Bi-
schofes Kraft. Goßbert bekehrte sich zu Jesus Christus, und ließ
sich taufen. Seinem Beispiele folgten die meisten seiner Untertha-
nen, und die apostolischen Arbeiter wurden erfreut durch eine Frucht
ihrer Bemühung, die sie so schnell und so reichlich nicht erwar-
tet hatten. Dafür priesen sie Gott, von dem allein alles Gute
kommt.
Der Herzog Goßbcrt hatte die Frau seines Bruders zur Ge-
mahlin. Sie hieß Gailana. Kilian mußte dem Herzoge, wie einst
Johannes der Täufer dem Herodes, sagen: „Es ist dir nicht er-
laubt, deines Bruders Weib zu haben!" Darauf erwiederte Goß-
bcrt: „Bis daher hast du nichts so Schweres von mir verlangt.
Weil ich aber alles Andere aus Liebe zu Gott verlassen habe, so
werde ich auch meine Gemahlin, ungeachtet ich sie sehr liebe, ent-
lassen, wenn es unrecht ist, daß ich sie behalte." Die wirkliche
Trennung ward verschoben, bis zur Zurückkunft von einem Kriegs-
zuge , den der Herzog ebcn zu unternehmen gesonnen war. Allein
die Gailana war nicht von so guter Gemüthsart, als ihr Gemahl
Goßbert. Wie die Herodias gegen Johannes, so entbrannte auch
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen