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186 Der heilige Germanus, Patriarch zu Constantmopel.
er zum Staatsdienste bestimmt werde. Aber anders war es im
Rathe des Ewigen beschlossen. Germanus sollte sich weihen dem
Dienste der Kirche, damit er in derselben leuchte als ein helles Licht,
und kämpfe, als ein rüstiger Kämpfer für die heilige Lehre. Durch
Ereignisse, welche die Menschen herbe Unglücksfällc nennen, wurde
er dieser erhabenen Bestimmung, Anfangs gegen seinen Willen, dann
aber zu seiner höchsten Seclcnfreude, zugeführt. Um das Jahr 669
bestieg Constantin, mit dem Beinamen Pogonatus, ein Enkel des
Heraklius, den kaiserlichen Thron. Der junge Kaiser ließ den Va-
ter des Germanus, wahrscheinlich aus Eifersucht über das gloße
Ansehen desselben, todten, und bald darauf den Gcrmanuö, der übec
den an dem Vater begangenen Mord sich laut beschwerte, entman-
nen , und zum geistlichen Stande anweisen. Germanus ertrug
willig dieses Geschicke, und widmete sich seinem neuen Berufe mit
so großen Eifer, daß er bald unter den übrigen Geistlichen der
Hauptkirche zu (5oüstantinopel, bei der er angestellt war, durch seine
Weisheit und Gottseligkeit, wie ein helles Licht hervorleuchtete, und
deßhalb denselben vorgesetzt wurde. Selbst der Kaiser, der so große
Mißhandlung an ihm verübt hatte, konnte ihm seine Hochschätzung
und seine Liebe nicht versagen. Germanus wurde, wir wissen nicht,
in welchem Jahre, auf den bischöflichen Stuhl zu Licice, dem Haupt-
orte im Hellespont, und darauf im Jahre 715 auf den Patriarchen-
stuhl zu Lonstantinopel berufen. Der Jubel war unbeschreiblich, mit
dem der neue Patriarch in Constantinopel empfangen wurde. Frü-
her schon, als Priester, hatte er durch seine glänzenden Gaben und
Tugenden die allgemeine Verehrung der Priester und des gläubigen
Volkes sich erworben. Jene, wie dieses, wünschten sich Glück, einen
Mann auf dem Patriarchcnstuhle zu sehen, von dessen Weisheit und
Gottesfurcht sie mit Zuversicht die segcnsvollsten Wirkungen erwarte-
ten. Germanus erfüllte diese Erwartung auf die vollkommenste
Weise durch seine uncrmüdete Thätigkeit, mit der er für den Glanz
der heiligen Kirche, and für das Heil der Gläubigen besorgt war,
insbesondere durch den muthvollen Eifer, mit dem er sich dem gott,
losen Bemühen widersetzte, dessen sich der Kaiser Leo gegen die Bil-
der erkühnte.
Als Leo die oben schon erwähnte Erklärung gegen die Bilder
vor den sämmtlichen Bewohnern seiner Residenzstadt Constantinopel
gemacht hatte, bezeigte der Patriarch laut und unerschrocken seinen
Abscheu gegen diese neue, in der Kirche unerhörte Lehre. Der Kai-
ser hatte einige Bischöfe auf seiner Seite. Constantinus von Nako-
lia in Phrygien hing, vielleicht noch mehr, als Leo selbst, der neuen
Gottlosigkeit an, die man für ein Werk dieses Bischofs ansah, und
worin er den Kaiser zu bekräftigen, viele Mühe angewendet hatte.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen