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188 Der heilige Germanus, Pattiarch zu Constantinopel.
denen Sohnes Gottes." Der Kaiser warb über diese Rede aufge-
bracht. Da erinnerte ihn der Patriarch an den feierlichen Schwur,
den er bei seiner Krönung abgelegt hatte, daß er an den Satzungen
der Kirche nichts ändern wolle.
Leo sah all sein Bestreben, den heiligen Gcrmanus auf seine
Seite zu bringen, fruchtlos, und warf deßhalb den bittersten Haß
auf ihn. Er beschuldigte ihn, und mit ihm alle katholischen Bi-
schöfe, so wie alle Rechtgläubigen der Abgötterei; denn seine Unwis-
senheit war so groß, daß er nicht fähig war, eine unmittelbare,
und eine beziehungsweise Verehrung der Bilder zu unterscheiden.
Er ging endlich so weit, daß er mit der Verehrung der Bilder auch
die Ehrerbietung gegen die Reliquien und die Anrufung der Heili:
gen verwarf.
Am 7. Jänner des Jahres 730 hielt er mit seinen Theilneh-
mern und Anhängern eine Versammlung, in welcher eine förmliche
Verordnung gegen die Bilder abgefaßt wurde. Man wendete Alles
an, Verheißungen und Drohungen, den Patriarchen zu bewegen, daß
er dieselbe unterschreibe. Er aber blieb unerschüttert und erklärte
endlich, daß er lieber seiner Würde entsagen, als etwas gegen die
Lehre der heiligen Kirche unternehmen wolle. Er legte im Angesichte
des Kaisers das Pallium, das Zeichen seiner Würde, ab und sprach:
„Wenn ich Ionas bin, so werft mich ins Meer! Kaiser! Es ist
mir unmöglich ohne ein allgemeines Concilium in eine Neuerung
einzustimmen." Darauf entfernte er sich und ging in seine Woh-
nung zurück. Der Kaiser schickte in der Hitze seines Zornes Be-
waffnete nach, die den ehrwürdigen Greisen mit Faustschlägen, unter
rohen Beschimpfungen, aus d<>m bischöflichen Palaste jagten. Er
zog sich in sein elterliches Haus zurück. Die Einwohner der Haupt-
stadt waren über den Verlust ihres hochverehrten Hirten, der über
vierzehn Jahre die Würde eines Patriarchen auf die rühmlichste
Weise bekleidet hatte, tief bestürzt. Der Patriarch setzte in st,ller
Einsamkeit seine gottselige Lebensweise fort, und ging endlich, nach-
dem er ein Alter von bereits hundert Jahren erreicht hatte, zur
ewigen Ruhe.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen