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190 Der heilige Stephanus, Abt und Märtyrer.
mißbilligte den Aufruhr, ermähnte aber die Gläubigen, vor Ketzerei
sich zu bewahren. Er verdoppelte sein Gebeth und seine Almosen,
und ordnete Fasttage und Bittgänge an, den Beistand des Himmels in
so dringender Noth zu erflehen. Er schrieb mehrmal an den Kaiser,
ihn auf bessere Gedanken zu bringen, aber mit so schlechtem Erfolg,
daß dieser vielmehr verschiedene Anschläge machte, das kirchliche Ober-
haupt auf die Seite zu räumen, und einen andern, ihm gefälligen
Mann an dessen Stelle zu setzen.
Hu dem Irrthume und der Gottlosigkeit des Kaisers gesellte
sich endlich auch noch der Gcitz. Unter dem Vorwande, daß auf
den goldenen und silbernen Gefäßen der Kirche Figuren der Heiligen
sich lvfindcn, licß er dieselben aller Orten wegnehmen und für seinen
Schatz cinschmelzcn.
Leo setzte seine Verfolgung gegen die Bilder, und die Verehrer
derselben mit gesteigerter Raserei fort, bis zu seinem Tode, welcher
im Jahre 741 erfolgte. Weit schlimmer noch, und grausamer als
er, war sein Sohn Constantin, mit dem Beinamen Copronimus,
der ihm auf dem kaiserlichen Throne folgte. Er war weder Christ,
noch Jude, noch Heide. Seine Religion war ein aus allen anderen
zusammengesetztes Hirngespinnst, das keine derselben vorstellte. Da-
bei war er sehr abergläubisch, und ergab sich trügerischen Zauber:
künsten. Den Krieg gegen die Bilder und ihre Verehrer setzte er
mit der heftigsten Grausamkeit fort. Den Irrthum zu befestigen,
berief er im Jahre 754 nach Lonstantinopel eine Versammlung der
Bischöfe, aber nur solcher, die als Sklaven der Gunst oder der
Furcht ihm beistimmten. In dieser Afterversammlung wurden die
Bilder als Götzen, und die Vertheidiger und Verehrer derselben als
Götzendiener verdammt. Da die Mönche der neuen Gottlosigkeit am
standhaftesten sich widersetzten, so waren auch sie der vorzuglichste
Gegenstand der qaulvollsten Verfolgung. Mehr, als alle Andere,
ward in diesem Kampfe ausgezeichnet der Mönch Stephanus, welcher
zum Unterschiede von dem ersten christlichen Märtyrer, dem Diakon
Stephanus, der Jüngere genannt wird.
Stephanus wurde geboren im Jahre 715 zu Constantinopel
von christlichen Eltern, die große Sorge auf seine Erziehung ver-
wendeten. Zum Jünglinge herangewachsen machte er gleich große
Fortschritte in den Wissenschaften und in der Tugend. Er begab sich in
das Kloster des heiligen Auxentius, welches auf einem Berge, von
Constantinopel gen Bythinien hin, gelegen war. Nachdem er in
demselben mehrere Jahre ein gottseliges Leben geführt hatte, und zu-
letzt einige Zeit seinen Brüdern als Abt vorgestanden war, verschloß
er sich auf dem Gipfel des Berges in eine sehr enge Zelle, in der
er nicht einmal aufrecht stehen konnte. Da sie nur zur Hälfte be-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen