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Am 28. November. ivi
deckt war, so war er im Winter der heftigsten Kalte, und im Som«
mer einer fast unausstehlichen Hitze ausgesetzt. Sein Gewand war
eine rauhe Thierhaut, unter welcher er eine eiserne Kette trug, die
von den Schultern bis an die Lenden in der Art eines Kreuzes
hing. Er fastete sehr strenge. Geistliche Lesung, Betrachtung und
Gebeth waren seine Beschäftigung bei Tag, und fast immer auch
den größten Theil der Nacht. Der Ruf seiner Gottseligkeit verbrei-
tete sich weit umher. Von sehr vielen, auch fernen Orten, kamen
Menschen, ihn zu besuchen. Insbesondere nahmen die Mönche und
Einsiedler, die von dem Kaiser Konstantin mit unmenschlicher Grau-
samkeit verfolgt wurden, zu ihm ihre Zuflucht. Er empfing sie
liebevoll, crmahnte sie nachdrücklich, den Glauben unerschrocken zu
vertheidigen, und gab ihnen den Rath, sich in jene Orte zu bege-
ben , welche von dem Gifte der neuen Ketzerei noch nicht angesteckt
wären, nach dem Ausspruche des Sohnes Gottes: „Wenn sie euch
in einer Stadt verfolgen, so fliehet in eine andere!"
Der Ruhm des heiligen Mannes kam zu den Ohren des Kai-
sers , der nun nichts sehnlicher wünschte, als daß er denselben für
sich gewinne, weil er hoffte, dem Beispiele des hochverehrten Man-
nes würden auch die übrigen Mönche folgen. Er schickte den Raths-
Herrn Callistus, einen verschlagenen und beredten Mann zu ihm, der
ihm Oel, Datteln und Feigen zum Geschenke brachte, ihm sagte,
daß der Kaiser für ihn, seiner großen Heiligkeit wegen, ganz cinge:
nommen sey, und eben deßwegen von ihm erwarte, daß er die vom
Concilium verordneten Punkte unterschreibe. Darauf erwiederte aber
Stephanus: „Mein Herr! ich kann die Entscheidung dieses Astercon-
ciliums , welches ketzerische Bestimmungen ausgesprochen hat, nicht
unterschreiben, denn ich will nicht den Fluch des Propheten dadurch
auf mich laden, daß ich das Bittere süß nenne. Ich bin bereit, für
die Verehrung der Bilder zu sterben, den Kaiser, der dieselbe zu
vertilgen sich erkühnt, verachtend als den Urheber einer argen Ketze-
rei." Er zeigte dem Höfling die Höhlung seiner rechten Hand, und
sprach weiter: „Wenn ich nicht mehr Blut hätte, als was ich hiec
in der Hand halten kann, so wollte ich es gerne vergießen für das
Bild Jesu Christi. Bringe dem Kaiser die Geschenke wieder zurück,
denn das Ocl des Sünders soll von meinem Haupte nicht duften,
und dessen Speise mein Mund nicht verunreinigen." Callistus ver-
ließ beschämt den Mönch, kehrte zum Kaiser zurück, und hinterbrachte
ihm, was er gehört hatte. Constantin ergrimmte heftig, und befahl
dem Callistus auf der Stelle, begleitet von Bewaffneten, wieder hin-
zugehen, den Stephanus aus seiner Zelle zu reißen, ihn in's Kloster
des heiligen Aurentius zu bringen, dort ihn mit den andern Mön^
chen einzusperren, und verwahren zu lassen, bis eine andere Verfü-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen