Seite - (000197) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000197) -
Text der Seite - (000197) -
Am 28. November. 195
schleppten, und auf mancherlei andere Weise mißhandelten, bis sie
ihn endlich in das Kloster Philippikus, nahe bei Chrysopolis, brach?
ten. Dahin schickte der Kaiser fünf Bischöfe, den Rathsherrn Calli-
stus, und einen Secrctär, die alle, wie er, gegen die Verehrung der
Bilder raseten. Sie ließen den Stephanus, der an den Füßen mit
Ketten gefesselt war, herbeischleppen, und hielten ihm vor, er solle
sich nicht klüger dünken wollen, als der Kaiser, die Erzbischöfe, Bi-
schöfe und so viele Gläubige, und daher unterschreiben die Beschlüsse
ihres zu Konstantinopel gehaltenen Conciliums, welches sie ein allge:
meines nannten. Erglüht vom heiligen Eifer antwortete Stepha-
nus: „Beherziget, was Elias dem Achab gesagt hat: Nicht ich habe
Verwirrung in Israel angestiftet, sondern du, und das Haus deines
Vaters! Ihr habt die neue Lehre in die Kirche eingeführt. Euch
kann man mit dem Propheten sagen: Die Könige der Erde stehen
auf, versammelt sind die Fürsten, zu streiten wider Gott, und seinen
König/- Psalm 2, 2. Constantin, der Bischof von Nikomedien,
ein eitler und hitziger Mann, stand über diese Rede von seinem Sitze
auf, und wollte dem Heiligen einen Stoß mit seinem Fuße gcben;
einer aber von der Wache ersparte ihm diese Mühe, indem er dem
Stephanus einen Fußtritt auf den Bauch gab, als wollte er ihn
antreiben, aufzustehen. Der Rathsherr Callistus und der Secrctär
Comboconon schämten sich einer so niederträchtigen Behandlung. Der
Sache ein schnelles Ende zu machen, erklärten sie dem Abte, daß er
entweder unterschreiben, oder sterben müsse. Darauf antwortete die:
ser: „Mein Leben ist Christus, und für sein heiliges Bild sterben,
ist mein rühmlichster Gewinn/- Dann erwies er, daß es frevelhaft
sey, das von den Bilderfeindcn zu Constantinopel gehaltene Conci-
lium ein allgemeines zu nennen, indem es mit den frühern allgemei-
nen Concilien im Widerspruch stehe, und ohne Einstimmung des
Oberhauptes der Kirche gehalten worden sey. Endlich richtete er
die Augen gen Himmel, stieß einen lauten Seufzer aus, erhob seine
Hände, und rief: „Wer nicht Jesum Christum in seinem Bildnisse
anbethet, sey verflucht!" Beschämt standen die Abgeordneten auf,
verließen den Ort, und kehrten zum Kaiser zurück, dem Callistus,
wider den Willen der Bischöfe, offen gestand, daß sie durch den
muthvollen Eifer des Stephanus, der den Tod verachte, besiegt
seyen. Der Kaiser sprach in seinem Grimme das Urtheil aus, daß
Stephanus in die Insel Prokoncsus, nahe bei dem Hellcsvont, ver-
bannt seyn solle. Siebenzehn Tage hatte er im Kloster Philippikus
zugebracht, und von den Speisen, die ihm auf Anordnung des Kai-
sers reichlich vorgelegt wurden, keine gekostet. Vor seiner Abreise
machte er den Krankenvorstehcr des Klosters, der von den Aerzten
aufgegeben worden war, durch sein Geb'th auf der Stelle gesund.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen