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198 Der heilige Stephanus, Abt und Märtyrer.
scy. Nur zweimal in der Woche nahm cr ein wenig Speise zu sich,
und war fortwährend beschäftiget mit dem Seclcnhcile durch geist-
liche Gespräche, durch Unterricht, durch Betrachtung des Himmlischen,
und durch Gebeth. Am Tage vor seinem Tode sagte er der Frau
des vorgenannten Gefangenwärters, in Gegenwart der Brüder, daß
er morgigen Tages vor dem ewigen Richter erscheinen werde.
Der Kaiser feierte eben in wilder Freude ein heidnisches Fest
zu Ehren des Bacchus. Da brachte man ihm die Nachricht, daß
Stephanus das Gefängniß gleichsam in ein Kloster verwandelt habe,
und daß die Einwohner von Constantinopel zahlreich dahin laufen,
um ihn zu schcn, und zu hören. In der ersten Aufwallung des
Zornes befahl er, daß der Abt sogleich aus dem Gefängnisse gezo-
gen, und hingerichtet werden solle. Bald aber wiederrief er diesen
Befehl, weil er dem Heiligen die Ehre des öffentlichen Martcrtodes
mißgönnt»,'. Des Abends schickte cr zwei Hofherren, die Brüder
waren, zu Stephanus, ihn zu bereden, die Beschlüsse gegen die Ver-
ehrung der Bilder zu unterschreiben; wenn cr sich aber dessen wei-
gern würde, ihn zu schlagen, bis er den Geist aufgebe. Als diese
den Heiligen erblickten, wurden sie von Ehrfurcht gegen ihn ergriffen.
Sie warfen sich zur Erde, erflehten von ihm den Segen, und kehr-
ten zurück zu dem Kaiser, dem sie sagten, daß sie seinen Befehl voll-
zogen, und den Abt, der in seiner Widersetzlichkeit verharre, so miß-
handelt haben, daß cr seinen Geist bald aufgeben werde.
Frühe Morgens des andern Tages versammelte Stephanus alle
Mönche um sich, bat um ihr Gebeth in seinem letzten Kampf, und
nahm von ihnen Abschied. Darauf legte cr sein Mönchsgewand ab,
damit es nicht bei oder nach seinem Tode den Muthwilligen zum
Anlasse des Gespöttes werde. Nur ein langes Unterkleid von Thier-
haut behielt er an seinem Leibe. Als der Kaiser es erfuhr, daß er
von den zwei Hofherrcn getäuscht worden sey, fing er fürchterlich zu
rastn an, und laut zu schreien, daß cr verrathen sey, indem man
statt ihm zu gehorchen, sich zu den Füßen eines elenden Mönches
Stephanus werfe. Kaum hatte ein Haufe Schmeichler und Böse-
wichter den Namen Stcphanus gehört, als sie wüthend zum Ge-
fängnisse hinliefen, in dasselbe eindrangen, den Stephanus, der sich
ihnen selbst zu erkennen gab, ergriffen, ihn auf den Boden warfen,
Stricke an die Ketten banden, die cr an den Füßen hatte, und ihn
aus dem Gefängnisse unter Schlägen über die Gassen auf dem Bo-
den fortschleppten. Als er bei einer alten Kirche der heiliger. Theo-
dora, die bisher von den Bilderstürmern verschont geblieben war,
vorübergeschleift wurde, bemühte er sich, auf seine Hände sich zu
stützen, seinen Leib aufzurichten, und seine Augen in einem frommen
Blicke zum Himmel zu erheben. Ein gewisser Philomatus bemerkte
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen