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202 Der heilige Johannes Damaszenus, Mönch :c.
schrieben hatte, zu versckaffen. Nun ließ er mit Schriftzügen, die
von denen des Johannes nicht unterschieden werden konnten, ein
Schreiben machen in der Art, als wäre es von Johannes an ihn,
den Kaiser, gegeben, und er durch dasselbe aufgefordert worden, das
Gebiet von Damaskus, das nur schwach besetzt sey, zu überfallen,
und die Saracenen aus demselben zu vertreiben. Di>,?s erdichtete
Schreiben schickte Leo dem saracenischen Fürsten nach Damaskus, und
klagte den angeblichen Verfasser desselben, den Johannes, als Hoch:
verräther an. Der Fürst entbrannte in Zorn gegen Johannes, bc-
rief ihn zu sich, und zeigte ihm das Schreiben. Johannes sah- es
staunend an, konnte nicht in Abrede stellen, daß die Echriftzüge den
seinigen ganz gleich seyen, betheuerte aber, daß er nie einen Brief
solchen Inhaltes geschrieben habe. Der erbitterte Fürst achtete nicht
auf diese Vertheidigung, sondern befahl, daß dem Johannes die
rechte Hand abgehauen werde. Vergeblich war die Bitte des un-
schuldig Verurtheilten um eine kurze Frist, in der er den Betrug
aufzudecken sich bemühen wollte. Der Befehl des Fürsten wurde an
ihm vollzogen. Nach der Erzählung mehrerer Geschichtschreiber und
des römischen Martcrbuches soll Johannes die Hand auf sein Gebeth,
das er bei einem Bild der göttlichen Mutter mit großem Eifer vcv-
richtete, wunderbarerweise wieder erlangt haben.
Der saracenische Fürst ward von der Unschuld des Johannes
überzeugt, bereute die Mißhandlung, die er ihm hatte <- thun lassen,
und wollte ihn zu noch größerer Würde, als er bivyer bekleidet
hatte, erheben; Johanne^ aber weigerte sich, dieselbe anzunehmen,
weil er entschlossen war, allen irdischen Bestrebungen und Hoffnun-
gen zu entsagen, die Welt zu verlassen, und in stiller Einsamkeit sich
ganz dem Dienste Gottes zu widmen. Nur durch widerholte drin-
gende Vorstellung konnte er von dem Fürsten die Entlassung erhal-
ten. Sein Geld und den Erlös seiner Habseligkcitcn gab er den
Armen, einen Theil seiner unbeweglichen Güter vertheilte er an seine
Verwandte, und an seine Diener, denen er die Freiheit schenkte, den
andern widmete er Zwecken der Gottseligkeit und der Liebe. Ganz
arm, wie er jetzt war, ging er nach Jerusalem, besuchte die heiligen
Orte, die der Heiland durch sein Leiden und Sterben gchciliget hatte,
entflammte da seinen Glauben und seine Liebe, und begab sich dann in
das Kloster des heiligen Sabas, begleitet von seinem Jugendfreunde,
dessen oben erwähnt wurde. Gleiche Gesinnung hatte gleichen Ent-
schluß in den frommen Gemüthern der beiden gottseligen Männer
hervorgebracht. Auch Cosmas wollte seine künftigen Tage in klö-
sterlicher Einsamkeit dem Herrn weihen. Johannes wurde mit gro-
ßer Freude in der Laura aufgenommen; denn früher schon war der
Ruf seiner ausgezeichneten Vorzüge, die er aber jetzt sorgfältig zu
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen