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Am 6. Mai. 203
verbergen suchte, dahingekommen. Er wandelte in tiefer Demuth,
verläugnete ganz seinen eigenen Willen, und unterwarf sich mit kindlichem
Gehorsam einem alten Mönche, der ihm zum Führer auf dem Wege
geistiger Vollkommenheit gegeben wurde. Rühmlich bestand er die
schwersten Proben der Sclbstverläugnung, die ihm aufgelegt wurden.
Eben so gründlich, als freimüthig vertheidigte Johannes den
Gebrauch der Bilder in drei Abhandlungen, die wir noch besitzen,
und die ein schönes Denkmal sind von seiner großen Gelehrsamkeit
nicht weniger, als von seiner ächten Gottesfurcht. Mit der Frei-
müthigkeit eines Apostels rügt er die Eingriffe des Kaisers in geist-
liche Angelegenheiten, läßt aber dabei nicht außer Acht die Ehrfurcht,
welche gekrönten Häuptern gebührt. In der zweiten Abhandlung
spricht er: „Christus, sagt der Apostel, hat seiner Gemeinde Apostel,
Propheten, Lehrer und Prediger gesetzt. Er sagt nicht, daß Kaiser
von ihm verordnet worden seyen. Nicht die Könige, sondern die
Propheten haben mit euch auf göttlichen Befehl geredet. Das po-
litische Regiment kommt den Kaisern zu, das Regiment der Kirche
aber den Predigern und Lehrern. Hierauf wendet er sich an den
Kaiser und spricht: „Wir gehorchen dir, allergnädigster Herr, in
Sachen, die das bürgerliche Leben betreffen, dergleichen die Tribute
und Auflagen sind, allein in Kirchensachen erkennen wir unsere Lehrer."
Auch in der Laura blieben Johannes und sein Jugendfreund
Cosmas die vertrautesten Freunde. Sie wetteiferten in den Fort-
schritten auf der Bahn der Wissenschaften und der Veredlung des
Herzens, beide ausgezeichnet durch die schönsten Eigenschaften des
Verstandes und des Herzens; beide glänzend durch tiefe Demuth und
kindliche Unschuld, beide hochverehrt von jedem, der sie kannte, und
zärtlich geliebt von den Brüdern. Um das Jahr 740 wurde Cos-
mas von dem Patriarchen in Jerusalem zum Bischöfe von Majuma,
und Johannes zum Priester geweiht. Eingeweiht für das Heilig-
thum des Herrn verdoppelte Johannes seinen glühenden Eifer für
die Ehre Gottes durch standhafte Vertheidigung der reinen Lehre,
durch das Vorbild seiner lautern Gesinnung und seines heiligen
Wandels. In einem Alter von 104 Jahren starb er den Tod der
Gerechten in der Laura um das Jahr 780.
„Der Ucbcrwinder, der meinem Unterrichte und meinem Wan»
del standhaft bis an's Ende nachfolgt, der soll von Mir über die
Völker Macht haben, wie auch Ich von meinem Vater Macht be-
kommen habe." (Offenb. 2.) „Man gefällt Gott, wenn man aus
Liebe zu Ihm in Unschuld Unrecht geduldig leidet." (1. Petr. 2.)
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen