Seite - (000208) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000208) -
Text der Seite - (000208) -
206 Der heilige Wilibrord, Erzbischof zu Utrecht.
das Heidcnthum aus dem Theile von Frießland, welcher unter frän-
kischer Oberherrschaft stand, bereits ganz verschwunden war, eilte
Wilibrord nun auch den andern Theil des Landcs mit dem Lichte
des Evangeliums zu beglücken. Nicht achtend die Gefahren, die
ihm drohten, begab er sich dahin, verkündigte aller Orten die heilige
Lehre, und kam zum Könige Radbod, der ihn zwar gütig aufnahm,
die Worte des Heils abcr verschmähte. Wilibrord verließ deßhalb
nach kurzem Aufenthalte das Land, und ging zu den Dänen, in der
Hoffnung, daß bei diesem Volke die Lehre vom Kreuze bcsscrn Ein:
gang finden möchte. Allein auch da sah er zu seiner großen Be:
trübniß alle Bemühungen, die rohen Abgöttercr den Finsternissen zu
entreißen, vereitelt. Einer besondern Fügung der göttlichen Vor-
sehung mußte er es zuschreiben, daß er von dem Könige Ungend,
einem Manne von unerhörter Grausamkeit, anständig behandelt wurde.
Er kehrte wieder zurück, und nahm aus Dänemark dreißig Jünglinge
mit sich, die er im Christenthume unterrichtete, und sie alsobald
taufte, in der Vesorgniß, daß auf der langen und beschwerlichen
Reise etwa einer oder der andere von ihnen sterben, oder auf eine
andere Weise das Leben verlieren möchte. Auf seiner Rückreise kam
er auf eine Insel, an den Gränzen zwischen Dänemark und Fricß-
land an der Mündung der Elbe, welche von dem Abgotte Fosites
„Fositesland" genannt wurde. Die Abgötterer hegten gegen dieselbe
eine so große, auf abergläubische Furcht gegründete Verehrung, daß
sie sich nicht getrauten, auf den fetten Weiden derselben ein Thier
zu fangen, oder ein Wort zu reden, wenn sie Wasser schöpften aus
dem Flusse, der sie bewässerte. Drei Tage mußte Wilibrord an die-
sem Orte verweilen, bis ein günstiger Wind seine Abreise gestattete.
Da taufte er drei Personen im Flusse, und ließ einige Thiere erle-
gen , zur Nahrung für sich und seine Gefährten. Die Abgötterer,
die es sahen, standen da, in der unbezweifelten Erwartung, daß die,
welche vom Fleische gegessen hatten, todt zur Erde stürzen, oder in
eine fürchterliche Raserei verfallen würden. Als aber weder das
Eine noch das Andere erfolgte, liefen sie voll Bewunderung hin zum
Könige Radbod, ihm, was geschehen war, zu erzählen. Der König
forderte nach den abergläubischen Gesetzen des Landes ein Menschen-
opfer, die Schmach zu rächen, die seinen Göttern angethan worden
wäre. Das Opfer mußte durch das Loos bestimmt werden. Dieses
traf einen von den Gefährten Wilibrords, der auch wirklich getöotet
wurde. Darauf ließ der König den Wilibrord vor sich erscheinen,
und machte ihm die bittersten Vorwürfe darüber, daß er seine Göt-
ter verachte. Der Heide konnte indessen doch der unerschrockenen
Freimüthigkeit des christlichen Glaubcnibotcn, der ihm die Nichtigkeit
d«r Götzen vorstellte, seine Hochachtung nicht versagen. Wilibrord
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen