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Am 20. Februar. 209
dessen weigern würde, auch wider seinen Willen, dem Kloster zu ent-
reißen, und nach Orleans zu bringen.
Als Eucherius hievon Kunde erhielt, ward er tief bestürzt.
Unter vielen Thränen klagte er den Brüdern, daß sein Heil großer
Gefahr ausgesetzt würde, wenn er seiner stillen Einsamkeit entzogen,
und den Versuchungen und Gefahren der Welt wieder bloß gestellt
werde. Er flehte sie um ihre Hilfe an, und sprach: «Lasset es doch
nicht geschehen, geliebteste Brüder! daß ein Schaf aus euerer Mitte
in die Fallstricke der Welt verschlungen werde. Wie leicht könnte
ich, bethurt durch Glanz und Lust der Welt, verlieren die Krone des
Heils, die ich hier sichern wollte?" Die Brüder nahmen liebevollen
Antheil an dem Jammer des Bruders, bedauerten es schmerzlich,
den Geliebten aus ihrer Mitte zu verlieren, freuten sich aber auch,
und priesen Gott, daß der Kirche zu Orleans ein so würdiger Ober-
hirt werden sollte. Fruchtlos widerstrebte Euchcrius, der jetzt erst
25 Jahre alt seyn mochte, seinem neuen Berufe. Von Thränen
und Segenswünschen begleitet, verließ er das Kloster. Unter lau-
tem Jubel wurde er in Orleans empfangen, und dort von den be-
nachbarten Bischöfen mit großer Feierlichkeit geweiht. Die Glaubi-
gen lobten Gott, der sie mit einem so ausgezeichneten Hirten begna-
digt hatte. Der Glanz der bischöflichen Würde verdunkelte nicht die
Demuth des heiligen Eucherius, verminderte nicht dessen Selbstvcr-
läugnung, und seine Allen Alles werdende Liebe. Mit einem Eifer,
der nicht zu ermüden war, verwaltete er alle Geschäfte des heiligen
Amtes. Die Priester zog er an sich durch sanfte Liebe, und ent-
flammte sie durch sein Vorbild. Die Gläubigen bekräftigte, ermun-
terte, warnte und besserte er durch das Wort Gottes, das er eben
so fleißig als nachdrücklich verkündigte. Er erbaute Kirchen und
Klöster, bereiste seinen bischöflichen Sprengel, um aller Orten zu
verfügen, und zu fördern, was zur größern Ehre Gottes und zum
Heile der Gläubigen dienen konnte. Seine Liebe ward vergolten
mit der zärtlichsten Gegenliebe, und seine Hirtentreue mit einer Ver-
ehrung, der nur der beste Vater sich erfreuen darf.
Der Ruhm des eifrigen Bischofs ward allenthalben verbreitet,
kam auch an den Hof des Karl Martell, erregte aber da bei ver-
schiedenen Höflingen den Neid. Diese brachten mancherlei verlaum-
derische Anschuldigungen gegen Eucherius vor, den Fürsten zu bewe-
gen, daß er ihn des bischöflichen Amtes entsetze, und in die Verban-
nung verweise. Karl ließ sich bethörcn, und schon drohte das Un-
gcwitter gegen den Diener Gottes loszubrechen, als die Sarazenen
in Gallien einbrachen, wodurch dasselbe verzögert wurde, weil der
Fürst jetzt alle Aufmerksamkeit auf die Beschützung seines Landes
richten mußte. Karl überwand die Feinde in einer schweren Schlacht,
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen